Freitag - unser Shopping Tag eisgekühlt

Freitag - unser Shopping Tag eisgekühlt

Blauwasserleben, Kochen/Essen, Bonaire, Sint Eustatius und Saba
Ein typischer Freitag auf der meerla in Bonaire

Freitag - Wochenende in Sicht!

Am Abend zuvor waren wir lange wach. Kein Wunder stehen wir heute also erst um 8:30 Uhr auf. Es hat auch fast kein Wind und ist dementsprechend kuschelig warm im Schiff. So kommen wir ungewohnt schnell aus den Federn. Die Pendenzenliste für den Tag ist lang, keine Zeit zum rumtrödeln.

Das Frühstück ist schnell gemacht. Es gibt Brot und Käse, denn wir haben noch Brot vom Vortag. Wir essen gemütlich im Cockpit und wollen gar nicht ins kuschelig warme Schiff zurück. Nelly stürzt sich gleich auf ihre Arbeit und ich räume die Küche auf. Kein Unterschied zu Montag, Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Oder doch? Es ist ja Freitag!

Wieso heisst es eigentlich «frei Tag»? Die Bezeichnung suggeriert einem doch unmissverständlich das es sich um einen freien Tag handelt. Wieso also arbeiten wir? Sind wir nicht auch segeln gegangen um mit diesen starren Konventionen zu brechen? Alle Überlegungen nützen nichts, ran an die Arbeit.

Wo der Schweiss fliesst

Nelly hat in der Zwischenzeit die Waschmaschine gestartet. Wo viel geschwitzt wird fällt auch viel Wäsche an.  Eine 40°C Wäsche dauert mit unserer Soba Waschmaschine eine knappe Stunde. Plötzlich springt Nelly auf und verschwindet im Technikraum. Kurze Zeit später kommt sie mit frisch riechender Wäsche wieder zum Vorschein. Ich verstecke mich ganz beschäftigt hinter den Computer. Schnell ist die Wäsche im Cockpit aufgehängt, ran an die Arbeit.

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Wenn die Kirchenglocken 12Uhr schlagen

Auf Bonaire leben knapp 20'000 Menschen. Es steht also mehr als eine Kirche im Dorf, sogar eine Mosche haben wir entdeckt. Knurrt mein Magen, aber nein es ist eine Kirchenglocke die uns etwas mitteilen will. Es ist schon wieder Mittag. Wo ist die Zeit nur geblieben? 

Eine knappe Stunde arbeite ich noch weiter bis ich genug habe. Rasch wird das Büro abgebaut und verstaut.

Ab in die Küche. Heute gibt es einen Tomaten Mozzarella Salat als Mittagessen. Die Zutaten sind schnell geschnitten und in die Schalen gefüllt. Noch Salz und Pfeffer und das frische Basilikum drüber verteilen. Olivenöl und Balsamico Essig dürfen auch nicht fehlen. Und als Sahnehaube Balsamico-Creme. Doch die ist leer! Oh nein, was nun? Nelly sitzt noch am Computer und öffnet schnell unsere Proviant-Vorratsliste. Schnell sehen wir in unserer Excel-Tabelle das wir noch einen haben sollten. Sitzkiste 1 steht da. Glück gehabt! Kiste auf und die Suche beginnt. Wir haben alles in Lock&Lock Boxen verstaut. So müssen erst Mal ein paar Boxen aus der Kiste genommen und gestapelt werden bis ich an die Box mit der Balsamico-Creme komme. Die ist natürlich ganz unten. Danach wieder Tetris spielen und alle Boxen zurück in die Sitzkiste stauen.

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Nelly hat in der Zwischenzeit ihre Arbeit abgeschlossen und unsere Getränke bereit gemacht. Ab ins Cockpit und essen. Lecker!

Shopper on Tour

Freitag ist unser Einkaufstag, so räumen wir ganz schnell sie Küche auf und machen uns bereit. Das bedeutet unser Shoppy (Einkaufswagen) wird im Cockpit bereitgestellt. Die Stofftasche mit unseren Beuteln für Obst und Gemüse, denn wir mögen keine Einweg-Plastikbeutel, verschwinden im Kühlrucksack. Dieser wird dann im Shoppy verstaut. Tetris eben. Nellys Rucksack verschwindet mit unseren Mobiltelefonen in einem wasserdichten Seesack. Meine Erfahrungen mit Mobiltelefonen und Wasser könnt ihr im Bericht «Kontrastreiches - St. Vincent und die Grenadinen» nachlesen.

Das Dinghi wird zu Wasser gelassen und alle bereitgestellten Sachen werden verladen. Nelly startet den Wassermacher und schliesst ab. Los geht’s. Doch halt! Wir haben unsere Schuhe vergessen. Es wird zur Gewohnheit ohne Schuhe aus dem «Haus» zu gehen. Ich wende kurzerhand  und warte mit laufendem Motor bis Nelly sie geholt hat.

Nun los, wir haben alles. Die Fahrt zum Dinghi-Dock ist heute angenehm, weil es dank dem wenigen Wind fast keine Wellen hat. Üblicherweise kommen wir immer leicht feucht an. Ausladen, Dinghi anketten. Doch zuvor die Frage an Nelly: Hast du den Schlüssel? Die Frage ist berechtigt. Warum, könnt ihr im Bericht «Vielschichtiges St. Lucia» nachlesen.

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Wir laufen dem Ufer entlang bis zum Luciano, unserem Lieblings Café/Eisdiele. Zeit für die erste Abkühlung des Tages. Wir genehmigen uns ein Eis oder Glace wie wir in der Schweiz sagen. Wir werden  freundlich begrüsst und bestellen uns je zwei Kugel in einem Becher. Mit dem Eis setzen wir uns draussen an einen Tisch und schauen dem Treiben zu und aktualisieren unsere Telefone. Internet ist teuer und selten, so wird jedes gratis WiFi sofort ausgenutzt. Herrlich so ein Shopping-Tag!

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Doch da muss ein Loch in meinem Becher sein. Das Eis ist in kürzester Zeit verschwunden! Die Updates auf dem Mobiltelefon sind auch fertig, so machen wir uns zufrieden auf den Weg zu «Van Den Tweel». Nicht ohne vorher einen kleinen Halt bei einem Geldautomaten einzulegen. Wir brauchen ein Update der Bordkasse und der Dollar-Franken Kurs ist gerade günstig.

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Wir nehmen heute den «guten» Weg da wir nicht zum Recycling Hof müssen. Gut, weil wir auf der ganzen Strecke einen Gehweg haben wo wir uns vor den anderen Verkehrsteilnehmer sicher fühlen. Wir laufen so durch den Vorort und werden immer wieder von Hunden aus den Gärten angebellt. Dabei sind auch zwei «Schweine» die bellen können wo durch ihre besonders aggressive Art auffallen. Arme Tiere!

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Bei «Van Den Tweel» angekommen schnappt sich Nelly einen Einkaufswagen. Ich wechsle in der Zeit von der Sonnenbrille zu meiner normalen Brille und nehme die Beutel für das Obst und Gemüse aus dem Kühlrucksack im Shoppy. Der wird hinten auf das Getränkegitter des Einkaufswagens gestellt. Gut gerüstet gehen wir einkaufen. In der Gemüseabteilung sucht Nelly frisches Gemüse während ich mich um die Früchte kümmere. Wir haben aufgeschrieben was wir kaufen müssen und eine Idee was wir kochen wollen. Beim Fleisch treffen wir uns wieder und suchen gemeinsam was aus. Eine lange Pause entsteht bei den Milchprodukten. Es gibt hier sehr viele Leckereien zu kaufen, doch muss man immer gut auf das Datum schauen. Nicht selten hält man etwas in den Fingern mit dem Verbrauchsdatum von vor zwei Tagen. So brauchen wir in der Abteilung immer viel Zeit. So machen wir unsere Tour durch den Laden bis wir alles haben.

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An der Kasse gibt es auch schon eine gewisse Routine. Nelly lädt aufs Band während ich einpacke. Zuerst immer die «harten» Sachen. Also die Getränke Flaschen und alles was sonst noch in Gläsern oder Büchsen ist. Und heute war Ginger Ale im Angebot wovon wir Gebrauch gemacht haben. Dieser Karton kommt ganz unten in den Shoppy. Der Rest dann oben drauf. Alle Kühlartikel werden im Kühlrucksack verstaut, die empfindlichen Sachen kommen bei Nelly in den Rucksack. Der Kassenbeleg ist lang aber die Zahl am Ende immer etwa gleich.

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Vollgepackt mit unserem Einkauf geht es den gleichen Weg zurück. Nur dass ich den Kühlrucksack vollgepackt am Rücken trage und den Shoppy hinter mir herschleppe. Nach kurzer Zeit beschwert sich Nelly, dass sie nicht so viel zu tragen hat und doch den Wagen nehmen kann. So gebe ich ihr den Einkaufswagen und wir wechseln uns nach der halben Strecke wieder ab. Die Sonne brennt vom beinahe wolkenfreien Himmel. Die 2km zurück sind richtig schweisstreibend und wir sind froh als wir endlich beim meerli ankommen.

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Zurück auf der meerla muss erst mal alles verstaut werden. Da der Laden gut gekühlt ist «schwitzt» nun alles und wir müssen es trocknen oder warten bis es getrocknet ist.

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Die neu gekaufte Balsamico-Creme wird in unserer Vorratsliste wieder eingebucht, mit Haltbarkeitsdatum und wieder in der Sitzkiste 1 verstaut. Nochmal Tetris spielen! Es ist schon fast 18 Uhr bis alles weggeräumt ist.

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Der Wassermacher hat den Tank fast komplett gefüllt. So können wir jetzt noch unsere Trinkflaschen füllen. Danach geht es zum wohlverdienten Bad ins Meer. Toll so ein Haus mit grossem Pool. Wir hängen eine Weile im Wasser rum bis sich der Magen wieder meldet.

Dinner for two

Das laufen hat Hunger gemacht. So kochen wir gemeinsam eine Gemüsepfanne. Wobei ich das Hühnchen schneide während Nelly die Marinade macht. Aber da kommt ja auch noch Gemüse rein, das wird gerüstet und gehobelt und geschnitten. Alles anbraten, mit unserem hohen beschichteten Kochtopf kein Problem. Es ist ein Essen wo relativ schnell zubereitet ist, was wir nach einem langen Einkaufstag sehr schätzen.

Wir essen gemütlich im Cockpit. Ich gönne mir ein Cider dazu und Nelly trinkt Wasser wegen den bösen Kalorien. Als wir fertig sind kuscheln wir noch eine Weile im Cockpit rum und überlegen uns was wir in den nächsten Tagen noch alles machen wollen. Als es wegen den Mücken ungemütlich wird beschliessen wir rein zu gehen nicht ohne vorher noch das Dinghi hoch zu nehmen. Den Abwasch erledigen wir gemeinsam.

Man hat nie ausgelernt

Wir haben beschlossen unsere Tauchausbildung zu erweitern und uns deshalb für den Rescue Diver Kurs angemeldet. Den ersten Kurstag haben wir schon hinter uns. Für den nächsten müssen wir die ersten beiden Kapitel gelesen und gelernt haben. Das Ganze funktioniert mit dem PADI eLearning auf dem Computer. Die Anwendung ist so alt, dass sie noch mit Adobe Flash gemacht ist welches bald von keinem Browser mehr unterstützt wird. Doch wir bekommen es zum Laufen und lernen beide gleichzeitig an unseren Computern. Zu jedem Abschnitt hat es ein Video das wir uns jeweils gemeinsam anschauen um wertvolles Internet-Guthaben zu schonen. So sitzen wir den ganzen restlichen Abend vor dem Computer und lernen unseren Stoff – und das alles auf Englisch! Was nicht gerade dazu führt, dass wir schneller vorankommen. Wenn da nicht die Motorradfahrer wären. Die kommen auf der Höhe unseres Schiffs auf die Küstenstrasse. Dann geht’s los. Der Motor wird voll aufgedreht und mit quietschenden Reifen donnern sie Richtung Zentrum. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit lassen sie den Motor aufheulen und machen so viel Krach wie möglich. Wie soll man da lernen? Irgendwie schaffen wir es und bringen unsere Kapitel durch. Auch die Tests zwischen den Kapiteln bewältigen wir. Nach so einem aktiven Tag gehen wir kurz vor Mitternacht ins Bett und fallen in einen komatösen Schlaf.