Vielschichtiges St. Lucia

Vielschichtiges St. Lucia

Blauwasserleben, St. Lucia
Von den Pitons und stinkenden Schwefelquellen.

Auf nach St. Lucia

Dienstagmorgen, heute verlassen wir nach knapp einem Monat Martinique. Am Vortag waren wir noch in der Marina in Le Marin zum Ausklarieren und haben uns danach nach St. Anne verlegt. Unsere Freunde von der Avalon waren sich nicht sicher ob sie auch noch nach St. Anne kommen. Später haben Sie uns dann mitgeteilt, dass sie mit uns, aber direkt von Le Marin, starten wollen. Um 10 Uhr soll es los gehen. Wie so oft sind wir zu spät dran. Bis dann alles bereit, und zum Segeln aufgeräumt ist, sind schon wieder 20 Minuten vergangen. Aber dann, Anker hoch und los geht es. Nach einer Meile unter Motor können wir segeln. Mit dem zweiten Reff im Gross und der vollen Fock segeln wir bei 20-22 Konten halbem Wind Richtung St. Lucia. Eine schöne Fahrt, da die Wellen noch sehr moderat sind. Vielleicht sind wir uns von der Atlantiküberquerung auch schon viel mehr gewöhnt? Mit sechs Knoten Fahrt über Grund kommen wir unserem Ziel rasch näher. Wir segeln in der Rodney Bay ein, nehmen die Segel herunter und starten den Motor. Nach 4.5 Stunden schöner Fahrt fällt der Anker auf acht Meter.

Wir sind angekommen

Und gleich weiter zum Einklarieren. Wir räumen das nötigste auf und lassen das Dinghi ins Wasser. Noch ein kurzer Blick auf die Seekarten wo Customs und Immigration zu finden sind und wo wir anlanden können. Wir finden das Dinghi Dock und auch die Behörden sind schnell gefunden. Es ist mittlerweile kurz vor 16Uhr und Überraschung, sie schliessen um 16Uhr. Wir wollen nicht, dass sie wegen uns Überzeit machen müssen, welche wir ja bezahlen müssten und entschliessen uns das Einklarieren auf den nächsten Morgen zu verschieben. So gehen wir unverrichteter Dinge wieder zurück aufs Schiff.

Kaum zurück kommt auch schon der Gemüsemann mit seinem abenteuerlichen Boot und bietet uns allerlei Früchte und Gemüse an. Wir kaufen ein paar Passionsfrüchte, Bananen und eine Ananas damit wir wieder mit frischen Vitaminen eingedeckt sind.

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Danach räumen wir das Schiff noch fertig auf und genehmigen uns einen Ankertrunk auf die erfolgreiche Überfahrt. Als es zu dämmern beginnt, sehen wir unsere Freunde von der Avalon in die Bucht einlaufen. Sie finden uns und Ankern in unserer Nähe. Wir gehen mit dem Beiboot kurz vorbei und verabreden uns für den nächsten Tag um 9Uhr zum Einklarieren.

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Es geht zum Einklarieren

Schon sind wir wieder spät dran, die Avalon fährt mit dem Dinghi vorbei, aber wir zeigen ihnen noch den Weg und sagen, dass wir gleich nachkommen. Kurz darauf sind wir bereit und es geht los. Mit unserem 9.9PS Aussenborder haben wir die Avalon in der Einfahrt zum Hafen bereits ein- und gleich auch überholt.

Vom Dinghi Dock geht es gemeinsam zum Einklarieren. Wir erhalten die üblichen Papiere zum ausfüllen und dürfen zum Gesundheitscheck. Das ist für uns neu, aber auch kein Problem. Die Dame stellt uns ein paar Fragen zu unserer Gesundheit, wir füllen ein weiteres Formular aus und dann war es das auch schon. Wir können zurück zu Customs und mit dem Einklarieren weitermachen. Nach einer knappen Stunde und viel Hilfe der sehr freundlichen Beamten sind wir alle offiziell im Land eingereist.

Bewegung ist gefragt

Auf der Suche nach Bargeld schlendern wir durch die Hafenanlage und versuchen an einem Bancomaten unser Glück. Leider ist er uns nicht freundlich gestimmt, so gehen wir weiter. Nach Recherchen im Internet soll es in der Lobby eines nahegelegenen Hotels einen Bancomaten haben wo wir Geld abheben können. Gesucht, gefunden! Mit den Taschen voller Bargeld laufen wir weiter.

Angezogen von Musik finden wir eine Schule wo gerade eine Festivität zum Unabhängigkeitstag stattfindet. Die Kids sind süss rausgeputzt und gehen immer zu zweit Hand in Hand über eine Bühne. Wir beobachten das Treiben eine Weile und gehen dann weiter.

Als wir bei einem Lebensmittelladen vorbeikommen gehen wir hinein und decken uns mit verschiedenen Kleinigkeiten ein. Eigentlich ging es nur darum die grossen Bank-Noten kleiner zu bekommen. Das ein Cidre für mich dabei rausgesprungen ist war natürlich ein schöner Nebeneffekt. Es ist schon spät und wir wollen noch ein paar Dinge auf dem Schiff erledigen, so gehen wir langsam zurück.

Unterwegs lassen sich unsere Freunde von der Avalon von einem Strassenverkäufer noch eine frische Kokosnuss schlachten. Wir verzichten da Nelly den Saft nicht mag und ich mich mehr auf das Cidre freue. Wir beschliessen am nächsten Tag gemeinsam einen Ausflug über die Insel zu unternehmen.

Der Ausflug

Wir treffen uns um 10 Uhr am Dinghi Dock. Und wir sind pünktlich! Da die Fahrt mit dem Dinghi oft feucht endet habe ich frische Kleider für den Ausflug dabei. Nach dem Umziehen auf dem Dinghi werden die feuchten Kleider in der Backskiste des Dinghis verstaut. Als Nelly fragt wo der Schiffsschlüssel ist und ich ihn nicht in meinen aktuellen Hosen finden kann wird mir heiss und kalt gleichzeitig. Den habe ich mit den Kleidern von der Fahrt im Dinghi eingeschlossen! Da hängt jetzt ein Vorhängeschloss dran und der Schlüssel dazu ist am selben Schlüsselbund wie der Schiffsschlüssel! Was nun?

Ich schaue mir das Ganze mal genauer an, zum Glück schliesst der Mechanismus nicht so toll und ich komme mit einer Hand in die Kiste hinein und kann die entsprechende Hose mit dem Schlüssel herausfischen. Nochmal Glück gehabt! So schnell passiert mir das nicht mehr.

Wir gehen auf den Parkplatz wo wir hoffen ein Taxi für den Tagesausflug zu finden. Und wir haben Glück. Der erste, den wir fragen will für den Ausflug 200USD, wir überlegen es uns, da kommt schon der nächste und wir einigen uns auf 150USD und sind dafür um 15Uhr zurück.

Wir steigen alle ins Auto ein und los geht die Fahrt Richtung Süden zu den Pitons. Wir merken schnell, dass wir eine gute Wahl getroffen haben. Der Fahrer fährt ganz angenehm und erklärt uns zu Beginn einiges über die Insel. Und auch unsere zahlreichen Fragen werden beantwortet.

Wir halten unterwegs bei einigen Strassenverkäufern wo wir mehr an den Bananen, die dahinter angebaut sind, interessiert sind als an den Waren die sie verkaufen möchten. Wir spüren zum ersten Mal, dass wir vor allem erwünscht sind um Umsatz zu generieren. Leider sind Segler nicht die passende Zielgruppe für so viele Souvenirs.

Weiter geht die Fahrt durch die Hauptstadt Castries weiter nach Canaries wo wir weiter der Strasse nach Soufrière folgen. Unterwegs packt uns der Hunger und wir haben gelesen, dass auch Cassava ein typisches «Brot» der Insel gemacht wird. So macht unser Fahrer halt bei einer lokalen Cassava Backstube. Ich nehme mir eins mit Schokolade und Nelly eines mit Kirschen. Gespannt wie es schmeckt beissen wir rein und sind Überrascht. Etwas süss, etwas klebrig, auf jeden Fall schmeckt es nach vielen Kalorien und ist eine volle Mahlzeit.

Kurz vor der Stadt der nächste Halt bei einem Aussichtspunkt wo man die Pitons sehen, bestaunen und auch fotografieren kann. Echt toll! Und es wird wieder vieles feil geboten und so wechselt ein Gewürzpacket gegen ein paar Ostkaribische Dollar den Besitzer.

Weiter geht die Fahrt zu den Schwefelquellen. Dort könnte man sich ein Schwefel-Schlammbad gönnen. Wir sind alle nur mässig begeistert. Auch hier wieder Strassenverkäufer. So kauft sich Nelly eine süsse kleine Handtasche für ihren Geldbeutel und das Mobiltelefon. Es regnet immer mehr und mit dem Regen ist auch der Wind weg. Dafür beginnt es heftig nach Schwefel zu riechen und wir flüchten alle zurück zum Auto.

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Ein Wasserfall steht als nächstes auf dem Programm. Wir steigen aus und sind froh, dass der Regen wieder aufgehört hat. Nach dem fast schon üblichen, überteuerten Eintritt gehen wir uns den Wasserfall anschauen. Nett, aber als Schweizer sind wir nicht so leicht zu beeindrucken. Der Kolibri der am Eingang zwischen den Blüten herumfliegt finden wir in dem Moment viel spannender.

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Auf dem Rückweg fahren wir durch die Gassen von Soufrière und sehen in was für Behausungen die nicht so privilegierten Menschen auf dieser Insel wohnen. Der Unterschied ist schon riesig.

Als nächstes halten wir an einem Aussichtspunkt, wo wir auf Castries herunterschauen können.

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Wir sehen die Kreuzfahrtschiffe in der Bucht und sind froh liegen wir weiter nördlich vor einem schönen Strand. Weil es auch hier wieder Strassenverkäufer hat und ich immer wieder ein Basecap brauchen kann, kaufe ich mir eines mit den Pitons und einem Segelschiff drauf. Wie passend!

Weiter geht die Fahrt zurück Richtung Hafen. Eigentlich hätten wir langsam Hunger. Alle BBQ’s die wir am Strassenrand sehen sind erst am einfeuern und noch nicht bereit. Wir kommen um halb drei beim Hafen an und leiten unseren Fahrer gleich um. Wir wollen noch zum Pigeon Island Nationalpark gleich am Ende der Bucht. Angekommen bezahlen wir den Fahrer und bedanken uns für den Ausflug. Haben wir doch schon einiges von der Insel zu sehen bekommen. Wir gehen in den Park, wo man mal wieder Eintritt bezahlt und auch nicht wenig! Wir spazieren alle für sich durch den Park und treffen uns auf dem Fort ganz am Ende der Insel wieder.

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Nur Ralf geht uns irgendwie verloren. Auf dem Rückweg wollen wir noch die Piratenhöhlen anschauen. Der Weg verläuft aber ins nichts und wir gehen unverrichteter Dinge zurück. Wir setzten uns ins «Jambe de Bois», eine nette Bar/Restaurant, und warten auf Ralf. Als Iris plötzlich ein Anruf erhält ist klar, dass wir am falschen Ort warten. Wir verlassen das «Jambe de Bois» ohne was getrunken oder bestellt zu haben und gehen zu der Bar wo Ralf und Iris am Vortag waren. Alle vier wieder vereint trinken wir gemeinsam etwas und ruhen uns aus.

Da wir so langsam ziemlichen Hunger haben machen wir uns mit einem anderen Taxi auf den Weg zurück zum Hafen. Wir beschliessen zum Italiener zu gehen. So gibt es Pizza und Fleisch für Ralf. Nach einem gemütlichen Abend fahren wir gesättigt und zufrieden zurück zu unseren Schiffen.

Die «Doktor Dolittle» Bucht

Wir hatten mit Avalon ausgemacht, dass wir am nächsten Tag zur Marigot Bay weitersegeln. Als wir zur abgemachten Zeit den Anker hoch nehmen gibt uns Ralf über VHF Kanal 77 zu verstehen, dass wir ohne sie lossegeln sollen. Sie hätten ein Problem mit dem Anker. So gehen wir los und können unmittelbar darauf unser Leichtwindsegeln, liebevoll Tomate genannt, bei leichtem, halbem Wind setzen.

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Nach etwas über zwei Stunden kommen wir bei der Marigot Bay an und suchen uns einen Platz. Sollen wir nördlich in der Einfahrt ankern oder gönnen wir uns eine Boje in der Marina ganz hinten in der Bucht? Wir fahren rein und Nelly ist total enttäuscht. Als sie vor 20 Jahren das letzte Mal hier war konnte man noch den Grund sehen. Klares Wasser? Heute Fehlanzeige! Es stinkt wie in einer Jauchegrube. Wir lehnen die Boje der Marina dankend ab und fahren wieder raus. Als hier der Film «Doktor Dolittle» 1981 gedreht wurde war das wohl noch besser. Wir bekommen eine Boje in der Einfahrt im Süden, was sich später als gut herausstellen sollte.

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Wir nehmen das Dinghi herunter und gehen uns umschauen. Nelly meint es ist schon traurig, wie sich der Ort verändert hat. Liegen heute Schiffwracks in den Mangroven und das Wasser ist richtig eklig. Wir versuchen ausserhalb der Bucht einen schönen Schnorchel oder Tauchplatz zu finden, doch es gibt nicht viel zu sehen und die Sicht ist total schlecht.

Am Abend erhalten wir die schlechte Nachricht, dass bei der Avalon die Ankerwinde kaputt gegangen ist und sie an ihrem Ankerplatz bleiben um sie zu reparieren. Wir sind sehr traurig, wie schnell wir unsere Freunde wieder verloren haben.

Am nächsten Tag staunen wir nicht schlecht als wir 180 Grad in eine andere Richtung aufwachen als wir ins Bett gegangen sind. Gegenüber kämpft schon ein gestrandeter Katamaran damit wieder frei zu kommen. Gut haben wir eine Boje genommen.

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Nach dem Frühstück entschliessen wir uns das Faltkajak aufzubauen und die Küste damit zu erkunden. Zuerst mal muss es aus der Segellast raus, wo es ganz unten verstaut ist. Dazu müssen das Leichtwindsegel und die Fahrräder raus. Natürlich haben wir das Kajak noch nie auf dem Schiff zusammengesetzt und überhaupt schon lange nicht mehr gebraucht. So vergehen Stunden bis es fertig zusammengebaut ist!

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Wir packen die Paddel und gehen los Richtung Süden. Um zwei Ecken rum erwartet uns eine wunderschöne Bucht mit einem tollen Sandstrand. Wir landen an, was bei den Wellen nicht ganz einfach ist, und gehen die Bucht zu Fuss erkunden.

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Weiter hinten führt ein Fluss ins Landesinnere. Leider ist es schon spät und wir verzichten darauf das Kajak über die Sandbank zu schleppen und fahren nach einem schönen Nachmittag am Strand zurück.

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Wir wollen am nächsten Tag ja weiter, also muss das Kajak wieder abgebaut und gereinigt werden. Was für eine Arbeit für die paar wenige Stunden. Wir merken uns: Kajak nur aufbauen, wenn wir mehrere Tage an einem Ort bleiben!

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Es ist schon dunkel bis wir alles aufgeräumt haben. Noch schnell was essen und dann ab ins Bett. Kurz bevor wir zu Bett gehen erhalten wir noch die schlechte Nachricht, dass die Avalon ein gröberes Problem mit der Ankerwinde hat. Sie müssen weiter in der Rodney Bay bleiben und auf ihre Ersatzteile warten. Ob wir sie je wiedersehen werden?