Madeira – Kanarische Inseln auf der Bajka

Madeira – Kanarische Inseln auf der Bajka

Vorbereitung, Segeln, Portugal, Spanien
Wir dürfen zwei Wochen Blauwasserleben schnuppern und mit Erni's auf ihrer Bajka auf dem Atlantik segeln.

Es geht los...

Juhuii, wir dürfen Erni's mit ihrer Bajka ein Stück auf ihrer Weltbesegelung begleiten. Zwei Wochen Blauwasserleben schnuppern, Ferien machen und Zeit mit unseren Freunden verbringen, was will man mehr – nichts! Wir sind gespannt auf die Inseln im Atlantik, wir kennen weder Madeira noch die Kanarischen Inseln und freuen uns einfach.

Hm, Samstagmorgen und was sollen wir einpacken? Warm, kalt? Um 11 Uhr ist gepackt und es geht Richtung Flughafen. Mit im Gepäck ist so einiges, was Ela bei uns bestellt hat, was wir aus der Schweiz mitbringen sollen. Von Zürich geht es via Lissabon nach Madeira. Pünktlich um 21 Uhr landen wir mit ordentlichem Seitenwind auf der auf Säulen gebauten Landebahn. Mit dem Taxi fahren wir zur Marina Quinta do Lorde, wo wir Erni's und die Bajka begrüssen. Ein schönes Wiedersehen nach 5 Monaten, sogar Nael ist extra wach geblieben und hat die darüber fliegenden Flugzeuge alle beobachtet, in welchem wir wohl waren?

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Lavagänge und warten auf Wind

Die nächsten drei Tage sind keine guten Winde prognostiziert, damit wir eine gute Überfahrt zu den Kanarischen Inseln haben. So gehen wir die Tage gemütlich an, spielen viel mit den Kindern, tauschen uns über die vergangenen Monate aus und erkunden die Hafengegend mit Spaziergängen.

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Für einen Tag mieten wir ein Auto und ziehen los um Madeira zu entdecken. Wir fahren auf der nördlichen Seite und haben schöne Sicht aufs Meer. Die Strasse geht immer wieder steil den Berg hoch und wieder nach unten. Die typischen Häuser von Madeira sind nur noch selten anzutreffen, es gibt aber noch Ausstellungsmodelle, die besucht werden können.

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Nach dem Mittags-Sandwich und Fangen spielen mit den Kindern fahren wir weiter bis São Vicente.

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Der Besuch der unterirdischen Gänge, in denen vor hunderttausenden von Jahren Lava hindurchfloss, ist beindruckend. Obwohl die Zugangswege künstlich angelegt sind, sehen wir einen interessanten Teil, der zur Entstehung der Insel beigetragen hat. Auch das zugehörige Museum, welches die Entstehung der Insel aufzeigt ist ein Besuch wert.

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Unser nächster Stopp ist Funchal, wo wir ein Eis essen, auf dem Markt einkaufen und uns anschliessend noch ein kleines Nachtessen gönnen. Danach kommt noch der grosse Einkauf für etwa eine Woche, da wir das Auto haben und so bequem alles einladen können. Es ist schon reichlich spät und die Kinder schlafen im Auto auf dem Weg zur Marina ein. Wir verstauen alles in der Bajka, stellen das Auto zurück und gehen müde und zufrieden schlafen.

Es folgt ein weiterer gemütlicher Tag im Hafen mit Spielen mit den Kindern und einem Spaziergang Richtung Nordosten von der Marina aus. Lukas lässt seine Drohne fliegen und wir spalten mit den Kindern einige Steine.

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Zurück auf der Bajka und nach einem feinen Nachtessen liegen wir bald wieder im Bett, denn wir wissen nicht, ob wir morgen ablegen, da es ein Hochdruckgebiet über Madeira hat und somit kaum mit Wind zu rechnen ist.
In der Marina Quinta do Lorde bewegen sich die Boote seit unserer Ankunft sehr stark. Es kommt viel Schwell in den Hafen, der die Boote vor und zurück fahren lässt und jedes Mal mit einem Ruck beendet wird, wenn sie in die Festmacher einfahren. Zuweilen hat man den Eindruck es wird einem der Boden unter den Füssen weggezogen.

Tschüss Hafen-Koller

Nach einer windstillen Nacht sind wir unschlüssig, ob wir starten sollen, da immer noch kein Wind angesagt ist. Doch Ela hat den Hafen-Koller, da sie schon lange in dieser Marina liegen und ein kleiner Windfleck lässt uns zum Aufbruch entscheiden.
Wir laufen aus dem Hafen aus und setzen bald sie Segel und sind mit 3 kn maximal Speed unterwegs. Das Meer ist sehr ruhig, lediglich etwas Dünung bringt die Oberfläche in Bewegung.

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Der Wind schläft noch komplett ein und wir Motoren ein Stück, bevor wir in den wunderbaren glatten Atlantik springen für ein kurzes Bad. Den Nachmittag verbringen wir mit Spielen mit den Kindern und warten auf ein Lüftchen.

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Wir haben von 7 bis 10 Uhr abends unsere Wache und versuchen den Windhauch zu nutzen, obwohl die Bajka bei so leichtem und drehendem Wind nicht einfach zu steuern ist. Es ist ein wunderbarer Moment, so auf dem Stillen Ozean dahin zu gleiten, um uns herum blinkt das Plankton, da wo Fische am Jagen sind.

Wir können bis 4 Uhr früh schlafen, da Ela und Lukas je 3 Stunden Wache halten. Mein Schlaf ist sehr oberflächlich und ich erwache bei jeder versuchten Wende, mit der der Wind eingefangen werden soll... Wir gehen also wieder ans Ruder, da Petterson (so heisst die Windsteueranlage) bei so wenig Wind noch nicht gelernt hat zu steuern ;-) Und Bruno (der Name des Autopiloten) streikt gerade. Aber wir geniessen das Steuern bei so vielen Sternen, dem Plankton-Funkeln und der Ruhe – ausser dem Knarren des Riggs. Zwischendurch ein kleines Brot zur Stärkung muss sein und schon bald kommt Lukas zu unserer Ablösung. Wir legen uns nochmals in die Koje, bis die Kinder wach werden.

Wie bringt man zwei müde Segler blitzschnell aus der Koje?

Mit einem Ruf von Deck «Ein Wal!» Wir sind noch nie so schnell aus der Koje gekrochen und dürfen den Wal noch kurz sehen, wie er einige Male an die Oberfläche kommt und jeweils eine Fontäne ausstösst, bevor er sich mit einem Winken mit der Schwanzflosse verabschiedet. Was für ein wundervolles Erlebnis.

Weiter geht es mit Spielen, leichtem Segeln und treiben lassen...

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Gegen Abend kommt etwas Wind auf und wir können mit vollen Segeln einen räumlichen Kurs einnehmen. Wir haben wieder unsere beiden Wachen und dazwischen kann ich nicht wirklich schlafen – leider. Am nächsten Tag weht es mit 15 kn und der Wind nimmt weiter zu, so werden auch die Wellen immer grösser. Bald hat Allan Mitleid mit den Fischen und muss sie «füttern».

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Es geht ihm nicht so gut, er mag nichts essen und trinken, er ist ganz einfach Seekrank. Leider auch noch während unserer Wache und so schicke ich ihn in die Koje und steure die Bajka, da ich Petterson nicht einstellen kann, weil mir die Erfahrung noch fehlt. Und wieder kann ich nicht schlafen obwohl ich inzwischen sooo müde bin. Das gibt mir also schon schwer zu denken, wie wir beide eine Überfahrt meistern sollen. Da muss wohl noch mit kleinen Helfern nachgeholfen werden.

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Um 4 Uhr geht's für mich weiter, Allan lasse ich in der Koje, da ich nicht auch noch zu ihm schauen möchte.
Wir sind an die Bootsbewegungen einfach nicht gewöhnt und so ist für uns alles sehr anstrengend bei diesen ca. 25 kn Wind, der uns zur Insel Lanzarote bläst.
Denn diese ist am Horizont aufgetaucht und sobald wir etwas näherkommen, spüren wir den Düseneffekt und der Wind frischt auf.

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Allan hat dafür Zeit um mit den Kindern im Salon zu spielen, denn wenn er da herum hängt geht es ihm so einigermassen.

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Sobald wir um das Südende herumkommen, nehmen die Wellen schlagartig ab und Allan wird wieder etwas lebendiger – zum Glück.

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Ahoi Lanzarote

Die Vulkanisch karge Landschaft empfängt uns und Lukas steuert die Bajka in die von weitem nett aussehende Marina Rubicon.
Wir geniessen die toll ausgestattete Marina mit Eis essen und mieten ein Auto für einen Inselausflug.

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Das gibt ein wunderbarer Tag, wo wir den eindrücklichen Timanfaya Nationalpark besuchen und uns weitere Sehenswürdigkeiten anschauen.

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Es sind schöne Tage und wir wissen, dass wir mit unserem Schiff auch mal hierher möchten.

Zwei Tage später fahren wir weiter zur Isla de Lobos und ankern da. Da es sehr wenig Wind hat, können wir hier eine Nacht verbringen und geniessen den Nachmittag mit Baden und Spielen.

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Am Nächsten Tag geht es weiter der Ost-Küste von Fuerteventura entlang. Zuerst gibt es sehr leichte Winde doch nachts entstehen nahe der Insel einige Düseneffekte die uns etwas vorantreiben. Es ist eine wundervolle Nacht mit Mond und Sternen und Allan geht es soweit gut, dass wir gemeinsam die Wache machen können.

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Am Nächsten Morgen schläft der Wind ziemlich ein und wir sehen allmählich, dass wir bei Tageslicht nicht mehr Las Palmas auf Gran Canaria erreichen werden. Wir schleichen Meile für Meile langsam dahin.

Ahoi Gran Canaria

Wir nähern uns der Insel Gran Canaria, wo wir in die Marina Las Palmas einlaufen wollen, denn die Bajka mit Erni's bereiten sich da auf die ARC (Atlantic Rally for Cruisers) vor.
Nächtliche Ansteuerungen von unbekanntem Gebiet ist nicht die liebste Tätigkeit der Segler und so steht der Entscheid, dass Las Palmas erst bei Tageslicht angefahren wird, was heisst, dass wir noch einige Stunden vor der Insel verbummeln müssen. Da es kaum Wind hat, lassen wir uns treiben.

Allan und ich sind auf der Wache, als von hinten ein unbeleuchtetes dunkles Boot auf uns zufährt. Wir suchen es auf dem AIS doch ist es da nicht zu finden. Wer ist das, was machen die, was wollen die? Sie kommen immer näher und genau auf uns zu. Sehen die uns? Werden wir gleich gerammt? Sind das Piraten? Uns wird mulmig und wir können keine der unangenehmen Fragen beantworten. Motor anlassen, dass wir ausweichen können? Wir wissen nur, dass die weiter genau auf uns zu halten. Da ist es Zeit, dass wir Lukas und Ela aufwecken, sie sollen entscheiden. Genau in diesem Moment werden wir von grellen Scheinwerfern geblendet. Super, jetzt sehen wir gar nichts mehr. Doch ist nun klar, dass sie uns sehen. Sie ziehen einen Kreis um uns herum, da können wir endlich erkennen, dass es die Küstenwache ist. Und schon werden wir angefunkt und gefragt, wer wir sind, warum wir hier treiben und was unser Plan ist. Lukas beantwortet alles genau und sie ziehen davon...

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Am anderen Morgen tauchen plötzlich dutzende kleine Wale vor uns auf und wir machen unter Motor einen kleinen Umweg um sie besser zu erreichen. Dann stellen wir den Motor wieder aus und beobachten die Tiere einige Zeit. Wie schön!

Später machen wir in der Marina am «Familiensteg» für die ARC fest. Es gibt ein kurzer Besuch in der Stadt Las Palmas und ein Eis – mmmhhhh. Und gleich noch ein Fähr-Ticket nach Teneriffa kaufen, denn von da ist unser Rückflug gebucht.

Bye bye

Am anderen Tag nehmen wir früh morgens Abschied von Erni's und der Bajka, was uns nicht einfach fällt. Sehen wir sie doch vermutlich sehr, sehr lange nicht mehr. Zuerst sind sie auf Reise und bevor sie zurück sind, werden wir hoffentlich starten. Es war soooo schön mit euch. Einfach alles! Von der Nachbarschaft über die intensive Vorbereitungszeit, bis zu den beiden Segeltörns für uns im englischen Kanal und dieser Überfahrt hier von Madeira auf die Kanarischen Inseln.

Wir wünschen euch fair winds!

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Und wir steigen auf die Fähre und fliegen danach von Teneriffa nach Hause in die Schweiz.

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