Beflügelt von Yagasa nach Savusavu
Yagasa Levu
Eine breite Öffnung zum Yagasa Cluster lädt uns ein, gemütlich und entspannt in das Atoll einzufahren. Schon eine Meile später kommen uns die Bewohner besuchen und begleiten uns bis zum Ankerplatz. Es sind Rotfusstölpel. Hier auf Yagasa (Yangasa ausgesprochen) lebt eine grosse Rotfusstölpel Kolonie, von Menschen ist dieses Atoll mit den vier Inseln unbewohnt.
Wie an vielen Orten in der Lau Gruppe ist es zwar mehr oder weniger freundlich zum Ankern, nicht aber um an Land zu kommen. Denn das Land ist sehr scharf. Steile Felsen ragen aus dem Wasser und scharfe Korallen machen vielerorts das Anlanden schlicht unmöglich. So auch hier in Yagasa. Vor uns ragen schroffe Klippen empor und die Insel ist mit immergrünem Laubwald überdeckt. Und in diesen Bäumen wohnen und nisten die Rotfusstölpel.

Wir nähern uns langsam der Felswand und das Wasser ist immer noch zu tief zum Ankern. Plötzlich steigt der Boden an und wir sehen auf den Grund. Leider ist der sandige Boden mit einigen Bommies (Korallenköpfe) bespickt, so dass wir erst beim zweiten Ankerversuch zufrieden sind und unsere Ankerkette nichts zerstören kann. Dafür stehen wir sehr nahe an der Felswand und hier ist es einfach nur friedlich. Keine Wellen, kein Wind, nur ab und zu das Kreischen der Vögel.

Rotfusstölpel
Die Rotfusstölpel sind im üppigen Grün leicht auszumachen, denn sie sind mehrheitlich weiss mit unterschiedlich stark ausgeprägten braunen Gefiederstellen. Diese Tölpel werden etwa 70 cm gross und haben eine Flügelspannweite von über 140 cm. Der Schnabel ist bläulich gefärbt und ihren Namen haben sie von den roten Schwimmhäuten. Die Küken haben ein flauschiges weisses Daunenkleid und einen schwarzen Schnabel.
Ein Rotfusstölpel fliegt schnell und gleitet für lange Phasen oft knapp über der Wasseroberfläche. Er ernährt sich von Fischen und Tintenfischen, die er durch spektakuläre Sturzflüge erbeutet. Er kann mit hoher Geschwindigkeit ins Wasser tauchen, da er um das Gehirn eine Art Airbag hat, den es vor dem Aufprall schützt. Bis zu 30 Meter tief kann dieser Vogel tauchen!



Die Rotfusstölpel sind die einzigen ihrer Art, die in Bäumen und Sträuchern nisten, da sie nebst den Schwimmhäuten eine Art Zehen haben, womit sie in der Lage sind, Zweige zu umklammern. Sie sind monogam und legen ein Ei, das abwechselnd von einem der beiden Eltern bebrütet wird. Es dauert sehr lange, bis die Jungvögel flügge werden. Haben die Eltern ihr Junges erfolgreich grossgezogen, beginnen sie etwa 12 bis 15 Monate später mit dem nächsten Brutversuch.

Vom Cockpit aus haben wir jetzt den ganzen Tag Vogelkino. Da herrscht ein geschäftiges Kommen und Gehen. Es gibt einige Jungtiere, die mit ihrem flauschigen Gefieder in den Nestern sitzen und lautstark nach Futter rufen, wenn die nicht gerade schlafen.
Leider müssen wir auch mitansehen wie Jungtiere aus den Nestern fallen und im Meer ertrinken...


Beflügelt
Am dritten Tag nach der Ankunft verlassen wir in den sehr frühen Morgenstunden diese Wand voller Vögel. Die Wind- und Wettervorhersage für die nächsten 36 Stunden sind ideal, um nach Savusavu zurück zu segeln.
Noch im Atoll entscheiden wir uns das Leichtwindsegel zu setzen doch bald schon sind wir ohne jegliche Landabdeckung unterwegs und der Wind dreht und legt etwas zu, so dass wir auf unsere Passatbesegelung umstellen. Ja, ihr habt richtig gelesen, Passatbesegelung!!! Wie lange haben wir davon geträumt, endlich wieder mal gemütlich vor dem Wind zu segeln. Kein Am Wind Kurs, kein Halber Wind, nein, einfach den Wind von Hinten, der uns schiebt. «Wing on Wing», wie es im englischen genannt wird, wenn wir einen «Flügel» nach Steuerbord und einen «Flügel» nach Backbord ausstellen. Haben uns die Tölpel oder Boobies, wie sie im englischen ihren Namen haben, das Glück gebracht, dass wir beflügelt unterwegs sein können?

Vor über einem Jahr konnten wir für wenige Stunden in Tonga so segeln und davor im 2023 bei der Pazifiküberquerung – auch nur für kurze Zeit. Was für eine Freude! Wir sind bei sanftem Wellengang und 15 bis 17 Knoten Wind unterwegs. Dazu gesellt sich ein blauer Himmel und Sonnenschein. Es ist einfach nur herrlich!
In der Nacht nimmt der Wind etwas zu und wir sind mit zügigen 6 bis 7 Knoten Fahrt unterwegs. Das macht Spass, da werden wir auch früher ankommen, was perfekt passt. Bald schon taucht Vanua Levu am Horizont auf und wir können bis kurz vor dem Riff mit ausgebaumter Genua und Fock segeln. Für die letzten wenigen Meilen kommt der Spinnaker Baum von der Genua weg und die Fock rollen wir auf. Nur mit der Genua umrunden wir das Riff und steuern den Ankerplatz vor dem Cousteau Resort an. Die letzten Meter legen wir unter Motor zurück und der Anker fällt nach dem Mittag auf 15 Meter Wassertiefe.




Den Nachmittag nutzen wir, um meerla von der Überfahrt aufzuräumen und für den Platz in der Marina vorzubereiten. Und natürlich darf der Sprung ins Wasser nicht fehlen!

Am nächsten Morgen machen wir uns bei schönem Wetter aber zügigem Süd-Ostwind auf in die Nawi Island Marina. Hier liegen wir nun zum zweiten Mal und sind glücklich, dass wir die südliche Lau-Gruppe auf wunderschöne Weise erleben durften. Wussten wir doch lange nicht, ob wir uns diesen kleinen Traum erfüllen können. Das entspannte zurück Segeln hat diesen Abschnitt noch mehr versüsst und diese abgelegene Inselwelt der Südsee wird für uns unvergesslich bleiben. Sind wir gespannt, was Fidschi noch alles Schönes für uns bereit hält...
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