Mona – die gefürchtete Passage

Mona – die gefürchtete Passage

2021, Segeln, Karibisches Meer
Nächster Halt Samaná in der Dominikanischen Republik. Der Weg führt durch die berüchtigte Mona Passage.

Bonaire unkompliziert

Die Vorbereitungen für unsere Abfahrt läuft sehr entspannt ab. Meerla ist nach zwei Tagen aufgeräumt, wie das Ausklarieren funktioniert kennen wir vom letzten Mal und so sitzen wir auch ein letztes Mal im Luciano bei einem Frappuccino. Wie könnte es auch anders sein... Werden wir ihn vermissen in der DR (Dominikanische Republik)? Oder vergessen wir ihn, wenn wir all die tollen karibischen Drinks mit den süssen tropischen Früchten durchtesten?

Wie wir alle wissen, sind Pläne da, geändert zu werden. Wir wollten in den Süden der DR segeln und dann zusammen mit unserem Besuch in den Nordosten zu den Walen Segeln. Doch Ulli, der vor uns die DR erreicht hat, ist nicht glücklich mit dem Liegeplatz im Süden, da es sehr rollig ist. Kurz um entschliessen wir uns nach vielen Überlegungen direkt nach Samaná zu Segeln und da in die Marina zu gehen. So können wir auch entspannt Landausflüge machen und meerla alleine lassen.
Aha, dann sieht unsere bevorstehende Passage aber ganz anders aus. Nicht bequem geradewegs nach Norden, sondern etwas östlicher anliegen und vor allem durch die Mona Passage!

Mona imaginär

Na, was heisst schon Mona Passage? Das sagt wohl nur einigen eingefleischten Seglern was. Das ist die Meerenge zwischen Hispaniola (DR und Haiti) im Westen und der Insel Puerto Rico im Osten. Die Meerenge ist 130 Km breit und verbindet den Atlantik mit der Karibik. Die Mona Passage ist berüchtigt dafür, dass sie sehr launisch sein kann. Inseln in der Mitte, Sandbänke, Gezeitenströmungen und Wasserwirbel, verursacht durch die Inseln, können eine Durchfahrt abenteuerlich gestalten. Da kommt viel Wassermasse zusammen, die da durchgepresst wird und je nach Strömung und Windrichtung Wellen produzieren, die kein Segler erleben möchte.
Das sind die Tatsachen. Dann kommen sehr viele nicht weniger abenteuerliche Schauergeschichten dazu, die uns Segler, die wir unterwegs getroffen haben, erzählten.
Na, was sollen wir glauben? Wir haben in den letzten zwei Jahren gelernt, dass die Segler viel Seemannsgarn erzählen und wir sehr vorsichtig damit umgehen müssen. Wir wissen also nicht so recht, wie wir unsere bevorstehende Passage einordnen sollen. Gefährlich? Total überbewertet? Unterschätzen wir es? Überschätzen wir meerla und uns? Wir wissen es nicht. Das Einzige was wir machen können ist das Ganze überlegt angehen.

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So haben wir auf ein eher leichtwind Wetterfenster gewartet, das insbesondere im Bereich der Mona Passage nicht zu starken Wind in der Prognose aufweist. Und das beginnt heute. Wir starten früh um 7 Uhr morgens, da die Berechnung so ist, dass wir in ca. zwei Tagen bei Tageslicht durch die Mona Passage gehen. Die wollen wir nicht nachts durchsegeln, damit wir das Wellenbild sehen können.

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Neben klein Bonaire setzen wir die Segel und sind erst mal sehr langsam unterwegs, da wir den leichten Wind von hinten haben. Doch sobald wir um das Nordwest Ende von Bonaire kommen, können wir unseren Kurs anliegen, der etwas höher als Halber Wind ist. Es geht sehr flott voran und meerla stampft durch die Wellen. Wir sind schon lange nicht mehr längere Zeit gesegelt und die permanente Schräglage ist sehr anstrengend.

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Allan real

Die Wetter und Windbedingungen entsprechen gänzlich den Prognosen mit Wind zwischen 15 und 20 Knoten (27 – 37km/h) und Wellen unter 2 Meter. Eigentlich Traum-Bedingungen, wäre da nur nicht Allans Seekrankheit.
Erstaunlicherweise geht es mir super. Ich habe keinen einzigen Anflug von Seekrankheit, ich bin quieschfidel und gefrässig... So geniesse ich das Unterwegssein enorm - es ist sooo schön! Keine anderen Schiffe, schöner Sternenhimmel und Allan geht es auch wieder besser.

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Für die Nacht fahren wir das Grosssegel und die Genua je im 1. Reff und trotzdem sind wir immer noch sehr schnell unterwegs. Meerla hat richtig drang voran zu kommen. Wir fahren im Schnitt 7 bis 8 Knoten (12 – 15km/h), was für uns viel ist. Sogar nachts mit den Reffs.

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Der zweite Tag auf See zieht ereignislos vorüber. Wir liegen faul herum, halten regelmässig Ausschau und müssen nichts an den Segeln ändern. Auch durch die Nacht rauschen wir mit flotter Fahrt dahin. Gegen den Morgen hin nimmt der Wind etwas ab und wir reffen aus.

Mona live

Da liegt sie nun vor uns - die berüchtigte Mona Passage. Sind wir aufgeregt? Nein. Aber gespannt, was wir antreffen, wie wir diese Meerenge, die uns zurück in den Atlantik bringt, antreffen. Werden wir höllische Wellen erleben? Unerwartete Strömungen? Wir hatten unsere Route so gewählt, dass wir nirgends sehr nahe an Land kommen und den grösseren untiefen Stellen soweit es geht ausweichen.
Wir segeln tagsüber durch diese Meerenge, die sich uns von ihrer besten Seite zeigt. Ausser dass wir wegen den Gezeiten zu Beginn leichte Gegenströmung haben, können wir keinen Unterschied zur Überquerung der Karibischen See feststellen. Im Gegenteil, es ist alles sehr entspannt und ruhig, der Wind ist abnehmend, so dass wir alles ausreffen. Zur grossen Freude begleiten uns eine Zeit lang auch noch zwei Delfine! Es ist einfach nur herrlich und die Mona ganz brav.

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Am Nachmittag nimmt der Wind so weit ab, dass wir unser Leichtwindsegel setzen.
Nachts schläft der Wind ein, so dass wir das Grosssegel bergen, da es nur noch schlägt. Wir fahren mit unserem Leichtwindsegel - der Tomate - weiter durch die wunderschöne Nacht.

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Samaná greifbar

Wir haben die Mona Passage hinter uns gelassen und sind nun in der grossen Samaná Bucht. Die Fahrt bis zu unserem Ziel zieht sich wie ein zäher Kaugummi dahin, da wir nur noch mit 3 bis 4 Konten vorwärtskommen.

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Am späteren Morgen rollen wir auch unsere Tomate weg, da wir mit 4 Knoten Wind nicht mehr wirklich vom Fleck kommen. Für die letzten 15 Seemeilen müssen wir leider zum Dieselwind greifen und unter Motor zurücklegen.
Unsere Augen erfreuen sich an dem vielen Grün das wir sehen, Palmen, soweit das Auge reicht. Einen schönen Sandstrand bei der Cayo Levantado, an der wir vorbei fahren - ach, es sieht aus wie in der Karibik!

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Wir steuern die Marina Puerto Bahia an und machen an einem Hafenplatz fest. Schnell ist alles aufgeräumt und wir freuen uns nach 10 Jahren wieder in der Dominikanischen Republik zu sein, die für uns persönlich etwas spezielles ist. Was, das verraten wir in einem nächsten Bericht.
Denn hier geht es weiter mit dem Einklarieren und dem freudigen Wiedersehen mit Ulli und Kirsten von der SV Easy.

... und wisst ihr was? Wenn wir gefragt werden, woher wir kommen, hören wir schon wieder Schauergeschichten von der Mona Durchquerung...