Ein halbes Jahr Bonaire – Kiko di Futuro?

Ein halbes Jahr Bonaire – Kiko di Futuro?

Blauwasserleben, Bonaire, Sint Eustatius und Saba
Wir liegen sein sechs Monaten in Bonaire im Mooringfeld. Was passierte und wie geht es weiter?

Ein halbes Jahr...

Genau vor sechs Monaten sind wir auf Bonaire mit unserer meerla angekommen. Unmittelbar bei der Ankunft ahnten wir noch nicht, was auf uns zukommt und wir wollten ja auch nur sechs Tage bleiben. So sind jetzt also aus Tagen Monaten geworden.

Nach der anfänglich etwas befremdlichen Situation, dass wegen dem Corona-Virus die Grenzen geschlossen wurden, mussten wir, ebenso wie viele andere Menschen auch, unsere weiteren Pläne umstellen. So entschieden wir uns auf Bonaire zu bleiben, denn es ist sehr schön hier, liegt ausserhalb des Hurrikan-Gürtels und ist ein Paradies zum Tauchen.

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Dazu kommt, dass Bonaire bis vor kurzem sozusagen Corona-Frei war. Was für einen riesigen Vorteil! Nicht nur schön, dass keine Menschen erkrankten, sondern auch dass wir hier nahezu keine Einschränkungen hatten.

Sehr vieles was wir unternommen haben oder wie unser Alltag hier aussieht, könnt ihr in all unseren vielen Berichten der letzten Wochen nachlesen.

Kiko di Futuro?

Dieser Titel ist in Papiamento, der Sprache von Bonaire und bedeutet: Wie geht es weiter?
Das ist eine gute Frage, die wir uns immer mal wieder stellen und auch mit anderen Crews diskutieren.

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Wir möchten in die Südsee, also in den südlichen Teil vom Pazifik. Dazu geht die Reise durch den Panama-Kanal und dann die Pazifiküberquerung nach Französisch-Polynesien, danach folgen weitere Länder, bis wir in Neuseeland die Zyklon-Saison verbringen wollen. Nun haben auf dieser Route einige Länder ihre Grenzen noch geschlossen. Entweder komplett, also keine Einreise möglich oder via Quarantäne, was ja kein Hindernis wäre. Aber solange Neuseeland zu ist, gibt es für uns kein Weiterkommen, denn das ist für uns eine wichtige Destination, sind wir doch auf allen Meeren von der Wirbelsturmfreien-Zeit abhängig. Den Start Richtung Westen, also in die Südsee sollten wir spätestens ca. Februar in Angriff nehmen. Das heisst, für diese Entscheidung haben wir nun noch maximal fünf Monate Zeit. Respektive es sind noch einige Monate Zeit, wo wir natürlich hoffen, dass das Virus sich in Luft auflöst und alle wieder gesund werden. Träumen darf man ja...

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Wenn die Reisefreiheit noch länger eingeschränkt bleibt, also wir nicht in die Südsee können, dann haben wir schon andere Optionen besprochen, doch welche ist die richtige?

USA und Kanada, wobei hier auch klar ist, dass wir in der aktuellen Situation da weder hin wollen, noch können, weil uns das Visum fehlen würde.

Südamerika ist für uns im Moment keine Option, da die meisten Länder sehr stark mit dem Virus kämpfen und leider viele Kranke zu verzeichnen haben.

In der Karibik bleiben? Ein weiteres Jahr Karibik? Wollen wir das? Unmöglich ist das nicht, aber auch nicht das, was wir uns wünschen. Nach der Hurrikan-Saison Ende November könnten wir in der Karibik wieder etwas reisen, zumindest in diese Länder, die das Einreisen zulassen, wenn auch unter Quarantäne-Bedingungen.

Oder auf Bonaire bleiben? Es ist zwar sehr schön hier, aber naja, eigentlich wollten wir ja reisen...

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Nach Europa zurück segeln? Diese Option eröffnet sich uns ca. im Mai, wenn das Wind- und Wetterfenster für die Atlantiküberquerung am idealsten ist. Es wäre keine angenehme Strecke, da es teilweise gegen Strömung, Welle und Wind ist. Doch was würden wir tun, wenn wir in Europa sind? Da weiterreisen, sofern man das auch kann und die Grenzen offen sind?

Zurück in die Schweiz? Nach Europa Segeln, die meerla irgendwo in Europa abstellen, z.B. bei der Werft in Cherbourg, und in der Schweiz wieder Wohnung und Job suchen? Uns wieder ein Leben an Land aufbauen?

Was für uns absolut nicht in Frage kommt, ist die meerla hier irgendwo in der Karibik an Land zu lassen und in die Schweiz zurück zu kehren. Das ist wohl die einzige Frage, die wir sicher beantworten können.

Alles andere ist offen. Ihr seht, wir wissen nicht, wie es weiter geht.
Nur eines ist klar. Bis auf weiteres bleiben wir hier in Bonaire und sind dankbar, dass wir hier noch bleiben dürfen, obwohl unsere Aufenthaltsbewilligung schon lange abgelaufen ist.

Der Soft-Lockdown

Wir haben wirklich eine sehr schöne Zeit hier auf Bonaire gehabt, mit eigentlich keinen Einschränkungen. Als an anderen Orten die Menschen erkrankten und teilweise sehr heftige Massnahmen ergriffen wurden, konnten wir hier ein normales Leben weiterführen. Uns war das immer sehr bewusst, dass wir es gut haben und haben das natürlich sehr geschätzt.

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Doch jetzt hat es die Bewohner der Insel leider ziemlich erwischt. Die Anzahl der erkrankten Menschen steigt täglich stark an und die Regierung hat per heute einen Soft-Lockdown beschlossen – zu Recht.
Wir bleiben also auf der meerla, gehen nur noch zum Einkaufen an Land und wünschen, dass alle gesund bleiben.

In diesem Sinne nichts Neues, wir arbeiten weiter, dürfen weiterhin die bezaubernde Unterwasserwelt anschauen, ein Bad im Türkis Wasser nehmen und spekulieren, wie die Reise weitergehen könnte.