Unsere Nachbarn - Schiffe rund um meerla

Unsere Nachbarn - Schiffe rund um meerla

Liegeplätze, Menschen, Bonaire, Sint Eustatius und Saba
Die Nachbarn der meerla in Bonaire und die grösseren Kollegen

Unsere Nachbarn – seit über 5 Monaten!

Hier in Bonaire liegen die meisten Segelyachten, wie wir auch, vor der Uferpromenade von Kralendijk – was zu Deutsch so viel wie Korallendeich heisst – und der Hauptort der Insel ist. Als wir Mitte März angekommen sind, haben wir uns zwischen zwei freien Moorings entscheiden können. Beide liegen nicht optimal, da ein weiteres Schiff sehr nahe liegt. Wir hatten uns für die, die weiter im Norden liegt, entschieden.
Und, wie das so bei den Seglern ist, kommt man mit den Booten, welche in der Nähe liegen, mehr in Kontakt als mit denen die weiter entfernt sind. Wir sind heute noch happy mit unserer Entscheidung zum Liegeplatz, denn er ist etwas ausserhalb vom Zentrum und somit deutlich leiser. Keine laute Musik von den Restaurants und Bars, kaum bellende Hunde, die an einigen Stellen nervtötend sein können, die lauten Motorräder sind weiter weg und die Fischer sind bei uns in geringerer Anzahl. Doch mehr dazu weiter unten.

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Wir haben also stets Schiffe um uns herum. Wie wir zu denen in Beziehung stehen, was sie für uns bedeuten und was das für Schiffe sind, wollen wir euch nachfolgend gerne zeigen.

Tanagra – das "Piratenschiff"

Die Tanagra ist eine Vagabond 47 und schon eine ältere Lady. Sie könnte durchaus in einem Piratenfilm mitspielen. Sie liegt südlich von uns und mit ihr unterwegs sind Meagan und Michael, aus den USA. Kurz nach unserer Ankunft haben wir sie kennengelernt und mit ihnen stehen wir des Öfteren in Kontakt und haben inzwischen schon einiges gemeinsam unternommen. Durch sie konnten wir auch Billy und Peter, welche hier auf der Insel leben, kennen lernen.

Wir gehen ab und zu gemeinsam Tauchen, alle paar Wochen machen wir auf Klein Bonaire ein gemeinsames BBQ, sie nehmen uns manchmal mit ihrem Auto mit zum Einkaufen oder bringen uns frische Lebensmittel vom lokalen Bauernhof, gehen gemeinsam Sterne gucken, Spielen mal ein «Zug um Zug», segeln mit ihnen Regatta oder ich durfte mal bei ihnen SPI Fliegen und Meagan war mit uns im Rescue-Diver-Kurs...

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Oder dann sind da Anlässe wie Hochzeitstage, die gefeiert werden wollen auf der Easy oder der meerla und wir alle haben wunderbare, entspannte Stunden miteinander.

Wenn da nur nicht das Hindernis der Sprache wäre! Unser Englisch ist noch nicht so gut, dass wir da einfach so locker mit einer Unterhaltung mithalten können. Für uns ist es immer enorm anstrengend und wir müssen bei Meagan oder Michael immer mal wieder nachfragen, was sie jetzt gesagt haben. Doch irgendwann verstehen wir es dann schon oder sonst hilft Ulli oder Peter oder Billy mit übersetzen, falls sie dabei sind.
Jedenfalls ist das eine wunderbare Nachbarschaft, die darüber hinaus geht und zur Freude von Allan sind sie auch Star Trek Fans! Der Schiffsname «Tanagra» kommt von Star Trek und ist in dieser Geschichte eine Insel.

Wir werden hoffentlich noch viele gemeinsame, spannende Stunden zusammen verbringen! Denn wir wollen unser Englisch ja auch noch verbessern ;-)

VAL – das Schlafschiff

Ja, der VAL... Keine Schönheit zum Angucken. Und er kuschelt manchmal mit der meerla. Das ist eben das Boot, welches etwas sehr nahe bei uns liegt, zwischen uns und dem Ufer, so ungefähr östlich von uns. Zu Beginn dachten wir, dass es je nach Windrichtung ein Problem werden könnte und wir ev. zusammenstossen. Inzwischen wissen wir, dass es uns drehen kann, wie es will, der Platz reicht – es muss ja nicht immer mehr als ein Meter Abstand zwischen den Schiffen sein...

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Nur hat der VAL leider etwas viel Tiefgang und schlägt mit dem Kiel bei ungünstigen Verhältnissen wie Niedrigwasser und südlichem Wind auf einem Korallenblock auf, was sich mit einer ziemlichen Erschütterung durch sein ganzes Rigg bis zu uns bemerkbar macht.
Und auf dem VAL wohnt einer, der einfach nur zum Schlafen auf sein Schiff kommt. Er scheint hier zu arbeiten. Wir sehen ihn nicht oft, kennen ihn nicht, grüssen einfach nur, wenn wir ihn sehen.

Exit Strategy – das Generatorschiff

Am nördlichen Platz von uns hängt seit dem 1. Juli die Exit Strategy, eine Bavaria 46 Cruiser. Darauf leben Rose und Tom aus den USA. Mit ihnen haben wir so gut wie gar keinen Kontakt. Dieser beschränkt sich auf ein seltenes zuwinken. Und doch sind sie bei uns immer mal ein Gesprächsthema, denn sie haben einen Benzin-Generator, welchen sie auf Deck stehen haben und der alle paar Tage für ca. 5 Stunden läuft. Nicht gerade erquickend dieser Lärm...

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Und Rose führt drei Mal die Woche das Noodeling durch. Das findet meist neben uns statt und wir schauen da oft beim Frühstücken zu. Sie versuchte uns schon mehrfach zu überzeugen, auch mit zu machen, doch da bin ich sehr immun dagegen.

Mitjana – das Schreischiff

In der dritten Mooring Reihe (siehe Informationen dazu weiter unten) steht als vierter, direkter Nachbar in westlicher Richtung die Mitjana, eine Beneteau Oceanis 50. Darauf lebt eine Familie mit zwei kleinen Kindern und am Schiff hängt die Belgische Flagge. Bisher hatten wir keinen wirklichen Kontakt mit ihnen ausser ab und zu mal ein kleines Hallo.

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Die dritte Mooring Reihe hat sehr lange Mooring Leinen, was dazu führt, dass diese Schiffe einen enormen Schwojradius haben. Also im Normalfall sind die Belgier weit weg. Wenn der Wind aber dreht, sind sie plötzlich ganz nah bei uns, was zum Glück eher selten der Fall ist. Denn manchmal haben sie auch die Festmacherleinen um ihren eigenen Kiel gewickelt und liegen irgendwie schief in der Landschaft, wie auf dem Foto – ein Problem der ewig langen Mooring Leinen.

Freedom Run – das Badefloss

Das kleine Segelschiff Freedom Run liegt gleich neben dem VAL und scheint auch dem gleichen Besitzer zu gehören. Doch das Schiff wird kaum gesegelt, es dient primär der einheimischen Jugend als Badefloss.

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Polarsito – "unser Fischer"

Wir nennen ihn unser Fischer, weil sein Fischerboot, das kaum als Boot bezeichnet werden darf, ganz in unserer Nähe liegt und Polarsito heisst. Mehrmals die Woche sehen wir ihn hinter uns im Blauwasser beim Fischen zu. Er paddelt etwas vom Ufer weg, lässt an einer Schnur einen Stein ins Wasser und fischt da einige Stunden lang – meistens ziemlich erfolgreich.

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Wenn er wieder zu seiner Boje zurück paddelt, kommt er an unserem Heck vorbei und grüsst freundlich.
Danach fährt er mit seinem Fang auf dem Fahrrad davon...

Die Fischer – oder Marktschreier?

Die Maya und einige weitere kleine Fischerboote liegen in unserer Nähe oder am Ufer. Einige dieser Fischer gehen nachts um vier Uhr auf ihre Boote um raus aufs Meer zu fahren und zu fischen. Leider ist das immer akustisch sehr wahrnehmbar, denn jeder ist auf seinem Boot, macht alles bereit und gleichzeitig unterhalten sie sich miteinander. Also nein, eigentlich schreien sie sich an – also so fühlt es sich für uns jedenfalls an.

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Und eines morgens fand Allan ein kurioses Objekt in unserer Genua. Da steckt doch tatsächlich ein Fischköder drin! Wie besoffen muss man sein, dass man uns trifft?!?

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Die grossen und starken

Natürlich schwirren auch ganz viele andere Schiffe um die meerla herum, nicht nur all die andern Yachten im Mooring Feld und vor allem die vielen Dinghis die in diese oder jene Richtung flitzen oder manchmal nur langsam tuckern, sondern auch die grösseren, die uns etwas bringen oder uns auch irritieren.

Der Marine Park

Da wegen den Grenzschliessungen viele Segler ihre Reisepläne ändern mussten und auch, wie wir – irgendwo ungeplant «gestrandet» sind, ist Bonaire ungewöhnlich voll mit Yachten, jedenfalls für diese Jahreszeit. Im Schnitt gibt es zwei Mooring Reihen, welche im sandigen Bereich zwischen Ufer und Korallenriff befestigt sind. Nun wurde vor kurzem mit einer dritten Mooring Reihe begonnen, um mehr Festmacherplätze für Yachten zu schaffen.
Mit Hebesäcken werden die im bestehenden Mooring Feld bereitliegenden Betonklötze angehoben und auf der Aussenseite vom Riff im Sand wieder heruntergelassen. Die Tiefe da beträgt ca. 35 m.

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Dies wird vom Marine Park erledigt, welcher generell die Arbeiten rund um die Moorings und auch die Bojen an den jeweiligen Tauchplätzen vornimmt, was hier auf Bonaire sehr komfortabel ist.

Curoil 1 mit Patricia

Mehrfach die Woche hören wir ein Geräusch, das wir inzwischen sehr gut kennen – die Patricia kommt. Die Patricia ist ein "mooring boat" und begleitet jeweils den Curoil 1 beim Standortwechsel.

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Der Curoil 1 ist ein kleiner Tanker oder besser "Floating Storage", was wohl sehr gut zutreffend ist, denn ein sehr Hochseetaugliches Schiff ist es nicht. Er hat eine Kapazität von 2850 t, eine Länge von 68 m, Breite 14 m, Baujahr 1998 und führt die Curacao Flagge. Er wird zwischen dem Flughafen und der Stromproduktion hin und her geschoben und holt sein Brennstoff jeweils in Curacao.
Mit Hilfe der Patricia werden die Festmacherleinen auf den mitten im Wasser liegenden Pollern jeweils fest gemacht und wieder gelöst.

Capricornus Leader

Bonaire ist eben eine kleine Insel. Was heisst das? Alles was hier gebraucht wird – ausser vielleicht Salz – muss mit dem Schiff oder dem Flugzeug hergebracht werden. Zu den Anfangszeiten von den Grenzschliessungen infolge Corona haben wir deutlich gespürt, dass dies so ist, denn die Versorgung in den Lebensmittelläden war teilweise nicht mehr rosig. Jetzt funktioniert dies wieder weitgehend und dafür sorgen unter anderem auch solche RORO Frachter, wie beispielsweise der Capricornus Leader von NYK Line.

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Dieser hat eine Länge von 199 m, Breite 32 m, Tiefgang 8.3 m, trägt die Flagge Singapore und hat den Heimathafen Panama – da wollen wir hin!

Immer wenn wir sehen, dass ein grosser Frachter am ausladen ist, wissen wir, am nächsten Tag können wir einkaufen gehen!

HNLMS Zeeland (P 841)

Als wir auf Bonaire das erste Mal ein Kriegsschiff gesichtet haben, ist es uns schon etwas mulmig geworden. Liegen wir doch nicht so weit weg von Venezuela, wo einige Unruhe herrscht. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass die Zeeland immer mal wieder am Horizont erscheint und danach um Klein Bonaire herumkurvt oder sogar hier für einige Tage festmacht. Die Zeeland ist ein offshore Patrouillenschiff der holländischen Klasse der Royal Netherlands Navy. Das Schiff wurde ursprünglich entwickelt, um Patrouillen- und Interventionsaufgaben gegen leicht bewaffnete Gegner wie Piraten und Schmuggler zu erfüllen.

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Die Indienststellung war 2013, Länge 108 m, Breite 16 m, 4.55 m Tiefgang, Besatzung 50 (max. 90), das Schiff ist bewaffnet und hat einen Hubschrauber.

Das Schiff Patrouilliert zwischen den ABC Inseln hin und her.

Zr. Ms. Karel Doorman (A 833)

Auch der Karel Doorman gehört der Niederländischen Marine und ist ein Mehrzweckversorgungsschiff, welches gemeinsam mit der deutschen Marine genutzt wird. Auch dieses Schiff macht Eindruck, wenn es in der Bucht vor Kralendijk auftaucht und am Pier anlegt.

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Die Indienststellung war 2015, Länge 205 m, Breite 30 m, 7.6m Tiefgang, Besatzung 152-171, ist bewaffnet und hat einen Hubschrauber. Der Heimathafen ist Den Helder – welchen wir ja von unserer Rundreise von Cherbourg nach Deutschland, Dänemark und Zurück gut kennen.

Das ist also ein Auszug davon, was um uns herum so vor sich geht mit den direkten Nachbarn und den grösseren Schiffen. Ab und zu taucht neben Klein Bonaire ein Kreuzfahrtschiff auf, doch die dürfen in Bonaire seit der Grenzschliessung nicht mehr anlanden und führen da nur ihre Übungen durch. Die müssen wohl ihr Personal in Bewegung halten.

Natürlich haben wir Kontakt zu weiteren Yachten hier, welche jetzt keine Erwähnung fanden, weil sie nicht unsere Nachbarn sind. Natürlich sind die uns wichtig, doch dazu schreiben wir ein anderes Mal...