Überfahrt von Grenada nach Bonaire

Überfahrt von Grenada nach Bonaire

Segeln, Karibisches Meer
Es ist eine schöne Überfahrt mit leichtem Wind von hinten.

Es geht wieder los

Die Windprognosen sehen gut aus, mit Wind aus Ost-Nordost bis Ost-Südost und maximal 20 Konten. Gemäss unserer Kalkulation brauchen wir für die rund 400 Seemeilen etwa 3.5 Tag. Punkt 12 Uhr starten wir den Motor. Unsere Freunde Valérie und Jean-Charles von der Lady helfen uns beim Ablegen und winken uns zum Abschied zu. Wir sind wieder unterwegs, mit neuem, hoffentlich dichtem, Motor. Die ersten vier Meilen fahren wir unter Motor bis wir einen Winkel zum Wind haben um zu segeln. Nur mit der Genua fahren wir bis zur Südspitze von Grenada. Von hier können wir einen direkten westlichen Kurs Richtung Bonaire segeln und baumen die Genua dafür aus und setzen zusätzlich noch die Kutterfock. Mit den beiden Vorsegeln machen wir Gute sechs Knoten Fahrt über Grund. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und der Wind lässt etwas nach. Der Sonnenuntergang ist wieder Mal wunderschön.

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Neues entdecken

Der Hunger macht sich bemerkbar und wir beschliessen etwas zu kochen. In Grenada haben wir Christophine gekauft, bei dem Händler der mit dem Auto in die Marina gekommen ist. Die Chayote, wie sie sonst noch heisst, ist ein Kürbisgewächs und auf Grenada ein beliebtes Gemüse. Da wir nicht wussten was wir da gekauft haben, Nelly hat es aufs Geratewohl gekauft, wussten wir erstmal nicht wie zubereiten und sie lag ein paar Tage beim Vorrat. Glück für uns war unser Motormechaniker, obwohl noch sehr jung, offensichtlich auch ein guter Koch. Er hat uns erklärt wie die Frucht heisst und wie wir sie zubereiten sollen. Schälen, das harte innere entfernen und dann blanchieren. So einfach, und genau so machen wir es jetzt. Sie schmeckt sehr gut, etwas nach Melone, ganz leicht süss, hätte man es auch mit einem Zucchino verwechseln können. Man lernt laufend neues kennen.

Da wollen wir nicht hin!

Wir segeln so schön vor dem Wind, dass wir das Schwert hoch ziehen um etwas weniger Wiederstand zu haben. Und meerla macht gleich 0.5 Knoten mehr Fahrt. Der Wind schwächt sich immer mehr ab, so dass wir nach dem Mittagessen beschliessen die Kutterfock durch das Leichtwindsegeln, genannt Tomate, zu ersetzen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, so rollen wir erst Mal die Kutterfock auf und verkleinern die ausgebaumte Genua so weit, dass wir die Tomate setzten können.

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Nachdem das Leichtwindsegel montiert ist setzten wir sogleich wieder die volle Genua um meerla steuerbar zu behalten. Bald sind alle Segel gesetzt, der Kurs angepasst. Wir machen mit dieser maximalen Segelfläche zwischen 6.5 und 7.5 Konten Fahrt über Grund bei 13 – 16 Koten Wind! Es hat eine Strömung eingesetzt die uns Richtung Süden, nach Venezuela, drückt.

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Das Schiff schlingert auch ganz schön und wir lassen das Schwert wieder ganz runter. Es hilft und meerla läuft ruhig ihrem Ziel entgegen. Der nächste Sonnenuntergang kommt auch schon und lässt den Himmel richtig brennen. Wunderschön!

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Administration und Segelwechsel

In der Nacht dreht der Wind immer mehr nach Norden und wir segeln daher mehr nach Süden als wir eigentlich wollen. So beschliessen wir in der Nacht die ausgebaumte Genua zu entfernen und mit nun fast halbem Wind unsere Fahrt fortzusetzen Richtung Bonaire. Bei dem Kurs und Wind machen wir mit unserer Tomate ganz schön Fahrt. Das funktioniert auch ein paar Stunden ganz gut, bis der Wind soweit dreht, dass wir jetzt wieder mehr nach Norden fahren. Wir rollen die Tomate auf und fahren erstmal mit wieder ausgebaumter Genua und Kutterfock weiter. Das wird natürlich nicht so bleiben uns so können wir später die Kutterfock wieder durch das Leichtwindsegel ersetzten. In der Zwischenzeit versuche ich für uns einen Hafenplatz in der Harbour Village Marina auf Bonaire zu reservieren. Auf mein E-Mail kommt dann auch ziemlich prompt die Antwort, dass ich doch bitte die beiden angehängten Formular ausgefüllt zurückschicken soll. Keine einfache Sache. Das runterladen der Formulare über das Iridium GO! Satelliten Internet dauert ganz schön lange. Als ich dann alles vor mir habe stelle ich fest, dass es kein Formular ist wo man am Computer ausfüllen kann. Mit etwas basteln und einer fotografierten Unterschrift geht das ganze dann wieder zurück an die Marina. Die ganze Aktion kostet mich mehrere Stunden Arbeit. Gut ist das Meer ruhig.

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Maintenance auf See

Wäre da nicht unser «R2-D2», bekannt aus Star Wars, der mir beim arbeiten die Nerven ganz schön strapaziert. So versuche ich ihn mit etwas Öl zum Schweigen zu bringen. Gar nicht so einfach, doch am Schluss geklappt es und endlich ist wieder Ruhe im Schiff. Bei «R2-D2» handelt es sich natürlich nicht um den bekannten Roboter aus der «Krieg der Sterne Saga», sondern um unseren «GN Espace Levante 3» Herd der beim hin- und herschwingen die gleichen Geräusche gemacht hat wie «R2-D2» und wir ihm deshalb diesen Namen gegeben haben. So wird die Überfahrt gleich auch für Unterhaltsarbeiten am Schiff sinnvoll genutzt.

Das Taucherparadies kommt näher

In der letzten Nacht bekommen wir Besuch von einem Vogel. Er ist so erschöpft das er stundenlang auf der Reeling sitzen bleibt. Als der Morgen anbricht ist er allerdings verschwunden. Der letzte Tag bleibt angenehm und wir kommen gut voran. Das Spiel mit dem Segelwechsel läuft weiter damit es uns auch nie langweilig wird. Von der Marina in Bonaire haben wir keine Meldung mehr erhalten, doch es ist uns klar, dass wir unsere geschätzte Ankunftszeit von 14 Uhr nicht halten können, weil der Wind nachgelassen hat. Macht nichts, denn die Fahrt ist bisher total angenehm, so dürfte es immer sein. Als wir die südliche Ecke von Bonaire erreichen hören wir ein bekanntes Geräusch. Delphine! Und dieses Mal nicht die Streifendelphine die wir bis jetzt angetroffen haben, sondern Grosse Tümmler, wie aus der Fernsehsendung «Flipper». Hin und weg von diesen schönen Tieren vergessen wir komplett ein Foto von diesem Ereignis zu machen. Was für eine tolle Begrüssung auf Bonaire.

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Und nun?

Zielstrebig fahren wir zur Harbour Village Marina und machen an der Tankstelle längsseits fest. Kein Mensch zu sehen, überhaupt ist es sehr ruhig in der Marina. Wir laufen herum und stellen fest, dass die am Samstag ab 14 Uhr geschlossen haben. Ab Montag dann wieder, meine Rufe auf dem angegebenen Funkkanal werden auch nicht beantwortet. Und jetzt, wo ist unser Platz? Alle Tore sind versperrt. Wir kommen nicht aus dem Gelände heraus. Immerhin können wir unseren Müll entsorgen. Ein Dinghi kommt zu uns hingefahren. Ein Deutscher, wie wir schnell merken. Auch er war zu spät da und hat in einer freien Box fest gemacht. Wir machen uns gemeinsam schlau. Nützt nichts, zu ist zu. Immerhin würde uns das angrenzende Restaurant vom Gelände lassen. Doch wollen wir das? Da meerla von der Überfahrt nicht sehr salzig ist, beschliessen wir uns eine Boje zu suchen. So legen wir ab und fahren dem Bojen Feld entlang. Wieder zurück am Anfang, kurz vor der Einfahrt zur Marina, finden wir einen Bojen-Platz der uns gefällt und wir machen uns da fest. Denn ankern ist auf Bonaire nicht gestattet. Endlich angekommen im «Divers Paradise». Da es bereits nach 16Uhr ist hat Customs und Immigration geschlossen. Wir verschieben das auf Montag, denn am Sonntag arbeiten sie ja bestimmt nicht. Wir räumen meerla auf, gehen baden und entspannen uns an unserem neuen Platz.

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