Grenada – uns rutscht das Herz in die Hose

Grenada – uns rutscht das Herz in die Hose

Wartung, Yacht, Grenada
Unsere meerla wird am Herzen operiert

Ich freue mich auf Grenada!

Hat mir der kurze Besuch vor 20 Jahren doch sehr gut gefallen (Chartertörn 00/01) und so bin ich gespannt, was mich heute erwartet. Hat sich die Insel stark verändert?

Bei schönen Wind- und Wetterbedingungen verlassen wir Union Island und segeln die 40 sm nach St. George's auf Grenada.

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Rechts vor der Einfahrt in den Stadthafen fällt unser Anker auf 8m. Am Abend sehen wir noch die Lady, die Allures 39.9, in die Marina einfahren. Das nette französische Paar haben wir schon in den Tobago Cays kennen gelernt.

Ein Stadt-Spaziergang in St. George's

Am andern Morgen fahren wir mit dem meerli, unserem Dinghi, in die Marina zum Einklarieren und was kleines Einkaufen. Zurück auf der meerla prüfen wir wie immer unsere stets laufende Ankerwache und sehen, dass wir offenbar wenige Meter gerutscht sind. Aber kein Problem, wir haben noch genügend Abstand zu den Nachbarschiffen und der Anker hält bei dieser Windrichtung. Lange wollen wir sowieso nicht bleiben, denn der Mechaniker für die B&G Geräte – ja, es soll wieder mal einer kommen um unsere Probleme zu beheben (siehe vorherige Logbucheinträge) – kommt nicht auf Schiffe, welche vor Anker liegen.
Am Nachmittag besuchen wir die Stadt St. George's. Wir schlendern planlos durch die Strassen und sammeln viele Eindrücke. Auffällig für uns ist, dass die Läden wie etwas versteckt sind, resp. für uns Europäer nicht so richtig als solche von aussen erkannt werden. So bekommen wir auf den ersten Blick den Eindruck, dass es gar keine Geschäfte hat. Doch beim zweiten hinschauen, hat es ganz viele kleine Geschäfte. Nach der Früchte-armen Zeit in den Tobago Cays, freuen wir uns, dass wir den Markt finden. Leider schüttet es genau jetzt wie aus Eimern und wir stellen uns unter, bis der Spuk vorbei ist.

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Mit etwas Früchten und Gemüse bepackt geht es zurück Richtung meerla, dabei werden wir auf der Dinghi-Fahrt so richtig verregnet und kommen triefend nass an. Dafür werden wir abends mit einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt.

Ab in die Werft!

Am anderen Tag geht es Anker auf in Richtung Südosten zur Werft, welche sich um unser Motorenproblem kümmern soll. Leider haben wir viel Wind genau auf die Nase, so Motoren wir die gesamte Strecke gegen an, da wir unseren Termin wahrnehmen wollen und mit Kreuzen würde das zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Wir kommen gut am Werft-Steg in St. Davids Harbour an und sogleich sehen sich die Mechaniker unseren Motor-Patienten an und schauen wie vorgegangen werden muss. Wir müssen noch kurz auf die andere Stegseite umparken, da es da weniger Wellen haben soll und das Schiff ruhiger liegt. Doch auch da fährt die meerla in die Festmacher rein, weil es ordentlich Schwell hat. So kann der Motor nicht ausgebaut werden, da die Gefahr von Schäden bei so starken Schiffsbewegungen zu gross ist, also muss die meerla aus dem Wasser – und zwar sofort! Uff, wir sind gar nicht darauf eingestellt und wir haben dies auch noch nie gemacht. Es kommt leichte Nervosität auf respektive Unbehagen, unser Baby kommt an den Kran und wird aufgebockt.

Wenn das Herz in die Hose rutscht...

Der Kran steht schon bereit, die Gurten hängen im Wasser. Wir nehmen das Schwert hoch und fahren mit unserem Schiff über die Gurten, die Werftleute übernehmen die vier Festmacher und bitten uns auszusteigen.
Ah, uns ist nicht wohl, kommt das gut? Die Gurten werden platziert, wir sagen nochmals, wo diese genau hinmüssen und schon schwebt die meerla durch die Luft. Mir rutscht das Herz in die Hose! Ich mag das nicht, wenn unser Schiff nicht im Wasser schwimmt.

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Sie wird abenteuerlich auf Betonröhren aufgebockt – hoffentlich hält das unser schweres Baby! Aber wir haben Vertrauen in die Werftarbeiter, die machen das ja schliesslich jeden Tag.

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Einer bringt uns eine Leiter und wir dürfen wieder aufs Schiff. Komisch so hoch über der Erde und keinerlei Geschaukel.

Was für ein Tag. Zuerst mühsam gegen den Wind, dann Ankommen, umparken und doch noch aus dem Wasser...
Jetzt heisst es für aufs WC oder zum Duschen immer vom Schiff runter klettern und über den sandigen Platz zur den Sanitären Anlagen zu gehen. Also eigentlich Camping-Platz, einfach mit Schiff.

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Operation am Herzen

Am nächsten Tag beginnt der Ausbau des Motors mit dem Ausbau des Boilers, da dieser über dem Motor installiert ist.

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Ein bis zwei Werftarbeiter sind beschäftigt bis am Abend alles soweit bereit ist, dass am Folgetag der Motor nur noch angehoben und die Dichtung der Ölwanne ersetzt werden kann. Das kommt dann auch so. Der Motor wird angehoben, herausgehebelt, die Ölwanne abgeschraubt, gereinigt und mit neuer Dichtung wieder festgemacht.

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Zu guter Letzt kommt der Motor wieder an seinen Platz zurück. Keine einfache Sache auf einer Allures 45.9, da eigentlich überhaupt kein Platz ist. So hinterlässt dieses Unterfangen leider auch Spuren in der Holzmöblierung. Sehr schade! Wir wüssten jetzt, was beim Bau einer Allures 45.9 für solche Fälle mit sehr wenig Aufwand noch verbessert werden könnte. Aber wie heisst es so schön: Hinterher ist man immer schlauer...

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Leider reicht die Zeit nicht auch noch um den Boiler wieder an seinen Platz zu bringen, bevor das Wochenende vor der Tür steht. So müssen wir mit dem Schiff aufgebockt an Land und der Baustelle im Schiff auch noch das Wochenende überbrücken, bis am Montag der Boiler montiert wird und wir wieder ins Wasser dürfen.

In der Zwischenzeit nutzt Allan die Gunst der Stunde, dass die meerla an Land steht, und mit Spachtel und Bürste bewaffnet reinigt er das Unterwasser. Als er wieder aufs Schiff kommt, erkenne ich ihn kaum noch...

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Auch ist in diesen Tagen die Lady hier am Steg eingetroffen und wir freuen uns über den Austausch mit anderen Allures Besitzer. Da wir wieder Lebensmittel brauchen, machen wir mit der Crew der Lady ab, dass wir am Samstag gemeinsam mit dem Bus nach St. George's zum Baden und Einkaufen fahren. Sie, Jean-Charles und Valérie, waren schon mal mit dem Schiff hier und kennen sich aus – wie praktisch für uns!

Abenteuer Bus fahren

So marschieren wir am Samstag bei der Werft los, die Strasse hoch bis zur Hauptstrasse. Dabei kommen wir an vielen Lastwagen- und Auto-Wracks vorbei – leider.

Bei der Hauptstrasse soll es mehrere Buslinien geben, die alle wenigen Minuten kommen und die anhalten, sofern es noch Platz darin hat. Denn das sind Kleinbusse, meist Toyota Busse mit vier Sitzreihen à vier Personen und neben dem Fahrer noch 2. Auf Grenada herrscht Linksverkehr, also stehen wir auf die richtige Strassenseite und warten zu viert, was da auf uns zukommt. Schon nähert sich ein Bus der Linie 2 und Valérie hält die Hand hoch zum Zeichen, dass wir da mitfahren wollen und der Bus hupt. Später lernen wir, dass sie das immer machen zum Zeichen, dass jetzt ein Bus gefahren kommt, der Platz hat.
So steigen wir ein – oder viel mehr quetschen wir uns in den Bus und werden schon mal komisch angeschaut. Ich nehme an, die Einheimischen sehen nicht sehr oft weisse Personen (Touristen) in ihren Bussen. Auf jeden Fall ist es für uns unterhaltsam, wie das System funktioniert. Der Chauffeur scheint dies auf eigene Kasse zu machen, denn sie sind extrem bemüht, Leute mitzunehmen. Sie halten schon mal an und fragen ob die Person mitmöchte, obwohl da weit und breit keine Busstation ist. Diese erkennt man übrigens als solche nicht, das muss man schon wissen. Ist aber auch nicht so schlimm, da man eigentlich überall mitgenommen wird und wieder aussteigen kann, wenn man an die Decke des Busses klopft. Je näher wir der Stadt kommen, umso enger wird es im Bus.
Da steigt auch eine einheimische Frau ein, die laut spricht. Mein erster Gedanke so: was spinnt die denn? Gibt es das offenbar auf der ganzen Welt, dass so komische Leute sich allen mitteilen müssen, über Gott und die Welt. Doch zusammen mit Allan verstehen wir dann doch, was sie sinngemäss sagt. Sie spricht von der hintersten Reihe zum Fahrer: "Hey driver, you got white people on your bus! Drive safely and don't crash or they'll take you to jail!" Was so frei übersetzt heisst: Hey Fahrer, du hast weisse Leute in deinem Bus! Fahre anständig, mach keinen Unfall, sonst landest du im Kittchen!
Hier spüren wir zum ersten Mal, dass wir anders sind, obwohl wir das überhaupt nicht so empfinden.
Wir steigen dann noch in die Buslinie 1 um, zum Grand Anse Beach und gönnen uns mit Valérie und Jean-Charles ein kühles Getränk.

Anschliessend hüpfen wir ins Meer, geniessen den Strand und Essen was Feines. Und da wir Glace (Eiscreme) nicht sein lassen können, testen wir das "nutmeg-ice" (Muskatnuss) – mmhhh, lecker!

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Die Unterhaltung mit der Lady-Crew ist primär auf Englisch und das funktioniert recht gut, weil es für alle vier die Fremdsprache ist. Zwischendurch können wir deutsche Wörter benutzen, da Jean-Charles am Genfersee aufgewachsen ist und ein wenig deutsch spricht. Doch um Valérie nicht auszuschliessen, wird eben englisch gesprochen oder Jean-Charles übersetzt auf Französisch. Es ist ein wunderbarer Tag mit liebenswerten Leuten und wir können so richtig viel lachen.
Wir erledigen noch einen grösseren Einkauf und fahren danach mit dem Taxi zu den Booten zurück.

Die Inselrundfahrt – oder eben nicht

Am Sonntag wollen Allan und ich mit dem Bus die Insel erkunden, da wir das Bussystem lustig finden und es preiswert ist. Doch vorne an der Hauptstrasse angekommen, melden uns Einheimische, dass auf diesen Linien am Sonntag keine Busse fahren. Ach, so blöd, wollten wir doch zur Schokoladenfabrik! Wir sind etwas traurig, denn ein Taxi lässt sich hier am Sonntag in der Pampa auch nicht organisieren.

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So gehen wir zurück zum Werftgelände und wollen der Küste entlang spazieren, doch da ist gross Privat angeschrieben. Wir denken, naja, geht uns nichts an, doch als dann mehrere kläffende Hunde auf uns zukommen drehen wir doch lieber um. So gehen wir aufs Schiff zurück und arbeiten ein wenig und freuen uns ganz fest, wenn wir wieder ins Wasser dürfen. Leider wird es nichts mehr mit einem Inselausflug, da wir weiterwollen, sobald wir wieder im Wasser sind und das Schiff in Ordnung gebracht ist. Wir hängen ja durch die Probleme immer noch unserem Zeitplan hinterher...
Inzwischen haben wir die freudige Nachricht erhalten, dass Avalon die Ankerwinde ersetzen konnte und wieder am Segeln ist. Jetzt wo wir an Land hängen, sind sie wieder unterwegs. Mal schauen, ob und wann sie uns ein- oder sogar überholen...

Motor-Reparatur, das Finale

Am Montag wird wie versprochen der Boiler eingebaut und somit sind die Arbeiten abgeschlossen, der Test am Motor kann erst im Wasser erfolgen. Wir warten, bis der Kran kommt, da abgemacht ist, dass wir am Nachmittag ins Wasser zurückkommen. Doch es geschieht nichts. Keine Info, keine Leute... Generell konnten wir von unserem Standort aus den Arbeitern zusehen und haben festgestellt, dass hier das Arbeiten nicht erfunden wurde. Es geht sehr gemütlich zu und her, lange Arbeitstage sind das nicht. Aber hey, egal, unser Motor wurde repariert – so hoffen wir doch.
Wir fragen beim Chef nach, wann geplant ist, dass wir wieder ins Wasser kommen. Er meint so: oh, ja, stimmt, da wollen welche ins Wasser, schon vergessen. Wenn man nichts selber unternimmt, dann passiert gar nichts! Da ticken wir beide halt schon etwas anders...

Die Vorfreude wieder ins Wasser zu kommen ist enorm gross, denn an Land wird es im Schiff wahnsinnig heiss, die Wasserkühlung fehlt und uns ist nicht wohl an Land, wir können kaum schlafen, es fehlt nachts auch der kühlende Wind.
Als wir das Gepiepse vom Kran hören, freuen wir uns riesig, ab ins Wasser!
Die Gurten werden angelegt, wir müssen wieder zeigen, wo sie angebracht werden müssen und schon hängt die meerla in der Luft.

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Der Weg zum Wasser ist nicht weit und kurz bevor sie schwimmt, dürfen wir einsteigen. Dann Gurten runter, Kran weg und Motor an. Er läuft, doch die Drehzahl ist noch komisch. Unser Motormechaniker ist ebenfalls an Bord und legt sogleich Hand an, um den Gaszug korrekt einzustellen. Dieser Test geht einige Male hin und her, bis es passt. Solange sind wir in der Einwassserungsbox festgemacht. Als es heisst, Leinen los für den Motortest, rufen die Kollegen vom Motormechaniker, hey, wo geht es hin? Wir sagen: ab nach Panama. Doch der Motormechaniker findet das nicht lustig, er sagt, da will er nicht hin, ihm gefällt es auf seiner Insel. Das war schön, generell haben wir den Eindruck, dass die Werftmitarbeiter sich wohl auf ihrer Insel fühlen und gerne da sind.

Wir drehen einige Runden in der Bucht, um zu schauen, ob alles am Motor dicht ist. Als vom Mechaniker das OK kommt, steuern wir den Steg an und machen uns da fest. Wir liegen direkt vor der Lady.
Welche Freude, wieder mit unserem Zuhause im Wasser zu sein, das kann ich gar nicht richtig beschreiben – einfach schön.
Jetzt heisst es Schiff putzen, denn an Land ist es unglaublich schweinisch geworden von dem vielen Sand und Staub, das auf dem Werftgelände von jedem Fahrzeug oder stärkerer Windbö aufgewirbelt wurde.

Vorbereitung für die Überfahrt zu den ABC-Inseln

Wir bleiben am Dienstag noch für die Schiffsreinigung und um alles für die Überfahrt nach Bonaire vorzubereiten.
Da die St. David's Bucht abgelegen liegt, ist keine Einkaufsmöglichkeit in Reichweite. Es kommt zwei Mal die Woche ein Auto mit Gemüse und wenig Früchten (primär Kokosnüsse) vorbei. Da kaufe ich nochmal eine Kleinigkeit, so dass wir für die nächsten Tage auf See gerüstet sind, denn morgen um 12 Uhr soll es los gehen.

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Wir freuen uns schon riesig, wieder eine längere Strecke segeln zu dürfen. Denn inzwischen gefällt uns das extrem gut.

Zum Abschluss verbringen wir nochmals schöne Stunden mit der Lady-Crew und haben es wieder lustig.
Ach ja, ausklarieren sollten wir ja noch, kein Problem am Dienstag kann man das ja hier. Nur nicht mehr am Nachmittag – so ein Mist, wir haben es völlig verhängt auf die genauen Öffnungszeiten zu schauen, so blöd.
So geht es am andern Tag früh los und mit dem Bus in die Stadt. Wir kennen das jetzt ja und haben wieder eine lustige Busfahrt. Bei der Marina angekommen geht das Ausklarieren schnell und ohne weitere Kosten. Noch schnell in den Supermarkt und zurück zur Busstation. Gleich nimmt uns einer mit und wir melden, wo wir aussteigen möchten. Irgendwann hält der Bus an, wir denken, ja hier könnte es sein, sind uns aber nicht ganz sicher. Der Bus fährt weiter und hält aber wenige Meter gleich nochmals an. Dann meldet uns der Fahrbegleiter (der, der das Geld kassiert), dass wir hier aussteigen können. Aha, das war also ein Extrahalt für uns Touristen – wie nett!
Das Ganze hat 3 Stunden gedauert, jetzt noch schnell den Hafenplatz bezahlen und los geht's zu den ABC-Inseln.

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Wir verabschieden uns von Valérie und Jean-Charles und sind traurig, dass wir sie vermutlich nicht mehr so schnell sehen werden. So liebe Leute, wir hatten eine kurze Zeit miteinander aber die war schön, mit viel lachen...