Unsere erste Reise nach Cherbourg

Unsere erste Reise nach Cherbourg

Vorbereitung, Yacht, Ausrüstung, Technik, Frankreich
Was wir auf unserer ersten Cherbourg Reise alles erlebt haben.

Tag 1 – die Hinreise

Um 7 Uhr klingelt der Wecker, wir bleiben noch eine Weile liegen. Duschen, am Morgen, wie untypisch für uns! Wir werden langsam wach, heute ist es soweit: unsere erste Reise zur Allures Werft nach Cherbourg, der kleinen Stadt in der Region Normandie im Norden Frankreichs. Wir frühstücken, Käse und Brot, wie immer halt. Aber wie lange noch? Wie Nelly diese Woche erwähnt hatte geht es bald keine 400 Tage mehr bis unsere grosse Reise startet. Nun geniessen wir aber erst Mal unser Frühstück. Gepackt haben wir noch nicht, Kleider, Hygieneartikel, Essen für unterwegs und Schokolade, schliesslich ist ja bald Ostern. Bald ist alles bereit. Und schon ist es nach 10 Uhr, wir fahren noch die Heizung herunter und schultern unsere Rucksäcke.

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Auf zum Bahnhof, die S7 bringt uns nach Zürich wo wir noch ein paar Einkäufe erledigen wollen. Schnell ist die Confiserie Stocker gefunden und Nelly bekommt eine Mandelschnitte und für mich gibt es eine leckere Schlossbergkugel. Kalorien pur, aber unglaublich lecker. Und schliesslich haben wir uns das doch schon verdient mit der Schlepperei der schweren Taschen. Wir entscheiden, dass dies heute der einzige Einkauf im Shopville, der weitläufigen Einkaufspassage im Zürcher Hauptbahnhof, bleiben soll. Da wir noch einige Minuten Zeit haben setzen wir uns an einen Tisch und schauen dem Treiben zu. Schon bald ist es soweit, der TGV, der uns nach Paris bringen soll fährt um 11:35 Uhr von Gleis 15. Pünktlich sind wir am Bahnsteig und der Zug steht bereit. Wir suchen unseren Wagen und finden die reservierten Plätze auch gleich. Gepäck einräumen und schauen, dass es für alle Mitreisenden noch Platz hat. Kaum sind wir eingerichtet rollt der Zug schon los.

Gleich nochmals die Mails abrufen und bei Facebook einen Post machen. Wir sind unterwegs. Eine Stunde später sind wir in Basel und bald heisst es tschüss Schweiz. Wir fahren weiter, so langsam kommt Hunger auf. Wir essen unsere am Morgen vorbereiteten Brötchen und dann haben wir da ja noch was süsses zum Nachtisch, wie herrlich! Ich lese auf meinem Tolino mein Buch und Nelly bereitet am Laptop Berichte für die Webseite vor. Wir halten in Mulhouse Ville und in Belfort-Montbéliard TGV bis wir schliesslich am Nachmittag in Paris Gare de Lyon eintreffen.

Es bleiben uns 55 Minuten um den Bahnhof zu wechseln und den Anschlusszug zu finden. Wie wir zu Hause schon herausgefunden hatten ist der schnellste Weg zum Bahnhof Saint Lazare die U-Bahn Linie 14 welche uns in nur 12 Minuten dorthin bringen soll. Schnell ist die richtige Station gefunden und ein Ticket für rund 3 Euro gelöst. Die U-Bahn fährt führerlos, ist pünktlich, und wir sind schnell am Ziel. Saint Lazare ist ein mehrstöckiger Bahnhof in einem hübschen alten Gebäude. Der Nordmandie-Express, wie diese Linie heisst, fährt im obersten Stockwerk. Weil wir noch etwas Zeit haben, unser Zug fährt kurz nach 17 Uhr, erkunden wir noch die restlichen Stockwerke und die nähere Umgebung.

Als es Zeit wird einzusteigen staunen wir nicht schlecht und wähnen uns schon in einem Harry Potter Film. Der Zug ist gefühlt 100 Jahre alt, nur dass keine Dampflock mehr vorne dranhängt. In Wirklichkeit stammt er vermutlich aus den 70er Jahre und wurde seither nie restauriert. Wir rattern pünktlich los, unser 8er Abteil ist noch mit drei Einheimischen besetzt, was die Kommunikation schon Mal schwierig macht. Die Fahrt verläuft ereignislos, bis kurz nach Caen wo wir einen ungeplanten Halt einlegen. Wir verstehen was von Tieren, also nehmen wir an da stehen welche auf dem Gleis herum.

Kurze Zeit später geht es auch schon weiter und wir kommen nach 20 Uhr in Cherbourg an. Unser erster Eindruck von der Stadt: verschlafen, ländlich aber gemütlich. Wir haben über airnb ein kleines Haus gemietet für die 4 Tage zum Preis von einem Hotelzimmer für zwei Nächte. Nur vom Bahnhof her gesehen fast am anderen Ende der Stadt, dafür nahe bei der Werft. Busse um diese Zeit? Fehlanzeige! Taxis, Fehlanzeige, die sind alle schon am Schlafen. Also gehen wir die rund 1.2km zu unserer Unterkunft mit dem ganzen Gepäck und bei einsetzendem Regen zu Fuss. Bei der Unterkunft angekommen suchen wir im Dunkeln den Schlüssel. Hinter dem Fensterladen im umgedrehten Topf. Gesucht und gefunden! Endlich können wir in die trockene, warme Stube.

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Die Unterkunft ist total süss, nur noch nicht so richtig beheizt. Also zuerst mal die Heizungen nach oben drehen. Unsere Vermieterin hat im Vorfeld mitgeteilt, dass sie uns erst am nächsten Tag alles erklären kommt. Ja, auch in diesem verschlafenen Ort gehen die Menschen in den Ausgang, wir fragen uns nur, wohin? Wir packen das nötigste aus, stellen den Wecker, und fallen in einen tiefen komatösen Schlaf.

Tag 2 – Die Werftbesichtigung

Um halb 8 klingelt der Wecker, Zeit zum Aufstehen und die nächste Boulangerie zu suchen, für ein erstes französisches Frühstück. Nach einem kurzen Blick auf Google Maps und einem Spaziergang Richtung Stadt, werden wir auch schon fündig und decken uns mit french Croissant und anderem lecker aussehendem Gebäck ein. Zurück in unserem kleinen Haus stürzen wir uns sogleich auf das Essen. Um 9 Uhr haben wir ja einen Termin in der Werft. Keine Zeit zum trödeln.

Kurz noch die Küche aufräumen und alle Unterlagen bereit machen, die wir mitnehmen wollen. So langsam baut sich ein wenig Spannung auf, ist es doch unser erster Besuch in der Werft die unser zukünftiges Zuhause bauen wird. Nach einem kurzen Fussmarsch durch die ruhigen Aussenquartiere der Stadt sind wir auch schon bald im Industriequartier am Hafen. Bei der Zufahrt zur Werft hat uns Google Maps einen kleinen Streich gespielt und so landen wir zuerst mal in einer Sackgasse. Wir laufen ein Stück zurück und finden kurz darauf den Weg zur Werft.

Am Eingang steigt die Spannung nochmal um eine Stufe an, wir freuen uns richtig auf das, was in den nächsten Stunden auf uns zu kommt. Wir werden eingelassen und in ein Sitzungszimmer geführt. Nils Schürg von Blue Yachting - Blue Sailing GmbH in Bremen ist gerade noch am Telefon mit einem Kunden. Doch kurz darauf dürfen wir ihn begrüssen und Nelly fragt gleich ob wir uns duzen können. Das ist doch klar, kein Problem! Wir deponieren unser Material und starten mit der Besichtigung der Werft.
Der erste Eindruck, als wir durch die Halle laufen, ist, dass alles gut organisiert ist und sauber abläuft. Alle Mitarbeiter denen wir begegnen sind sehr freundlich und zuvorkommend.

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Wir starten bei der Anlieferung der Rümpfe. Der Rumpf selber wird nicht in Cherbourg gebaut, sondern kommt von einem anderen Standort und wird fertig geschweisst angeliefert. Nils erklärt uns den ganzen Vorgang mit abschleifen, lackieren und Antifouling auftragen bis der so aussen fertige Rumpf weiter in den Endausbau geht. Im Endausbau sind vier Plätze belegt. Ist der Rumpf an seinem Ort bleibt er dort bis das Schiff fast komplett ist, einfach noch ohne Mast. Viele Eindrücke für uns, die zuerst mal verarbeitet werden müssen!

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Zurück im Sitzungszimmer besprechen wir mit Nils wie unser Schiff aussehen soll, bezüglich all den möglichen Optionen. Wir haben ein paar Wünsche mit Änderungen an die Werft die er aber zuerst mit der zuständigen Person besprechen muss, um zu sehen ob das geht und was es denn kosten würde. Da wir ein sehr enges Budget haben fragen wir sehr häufig nach dem Preis für diese oder jene Option. Wir schauen Stoffmuster und Farben an und können gleich eine Schwimmweste von Nils testen.

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Es ist ein intensiver und konstruktiver Morgen. Nachdem fast alle Mitarbeiter zum Mittagessen verschwunden sind merke ich wie auch Nelly langsam zappelig wird. Ein klares Zeichen, das sie auch Hunger hat. Bevor es zum schlimmsten kommt und Nelly sauer wird machen wir eine Pause.

Wir werden von Nils zu einer Boulangerie geführt wo wir uns Sandwichs und Eclairs aussuchen. Nils übernimmt die Rechnung, danke schön! Wir essen im angrenzenden Raum der Bäckerei und sind anschliessend satt und zufrieden, denn es war sehr lecker. Vor allem die Eclairs haben es uns sehr angetan.

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Wieder zurück in der Werft geht die Besprechung von Schiff und Zubehör weiter. Es ist für uns perfekt, dass wir all unser Zubehör auch gleich über Nils bestellen können. Stunden später - es ist schon wieder am dunkel werden - sind wir fertig. Einige Punkte müssen wir uns noch überlegen, andere Punkte müssen zuerst mit der Werft abgeklärt werden. Wir verabschieden uns von Nils und gehen müde und mit einem vollen Kopf zurück in unsere Unterkunft.

Angekommen sind wir eigentlich zu müde fürs Abendessen. Wir suchen auf Google Maps nach Möglichkeiten in der näheren Umgebung essen zu gehen. Gesucht, gefunden! Wir gehen zum Italiener denn Pizza und Co. mögen wir beide sehr. Als wir ihn schliesslich gefunden haben entpuppt sich das von uns erwartete süsse kleine italienische Restaurant als Schnellimbiss. Es qualmt fürchterlich aus der Tür aber weil wir doch etwas Hunger haben wagen wir es und gehen rein. Es brennt zum Glück nur der Holzofen. Wir suchen uns je eine Pizza aus und müssen ungefähr 30 Minuten warten. Geht ja noch! Wir gehen raus da uns der Rauch in den Augen brennt. Wir haben viel zu bereden so vergeht die Zeit schnell und wir bekommen unsere Pizzen. Zurück in unserer Unterkunft verspeisen wir die Pizzen in kürzester Zeit und das wohl auch deshalb damit sie nicht noch kühler werden. Der Rückweg war wohl zu lang und die Jahreszeit noch ordentlich kühl. Satt und zufrieden stürzen wir uns unter die Dusche und ins Bett. Wir sind beide total erledigt.

Tag 3 – Die Stadtbesichtigung

Wir wachen auf und hören das prasseln des Regens auf dem Dach. Ist das ein typischer Tag Ende März in dieser Stadt? Heute wollten wir uns Cherbourg anschauen, aber das Wetter begeistert uns nicht durch die Stadt zu laufen. Aber es nützt ja nichts, wir haben Hunger und brauchen etwas zum Frühstück. So machen wir uns auf den Weg zur Boulangerie um Croissants und Brot zu kaufen. Und natürlich noch etwas kleines süsses. Morgen müssen wir ja nach Hause.

Nach dem Frühstück studieren wir den Wetterbericht und sehen, dass es um den Mittag trocken werden soll. So bleiben wir im Hause und studieren all die Dinge die wir am Vortag besprochen haben. Wir durchstöbern das Internet vergleichen und besprechen unsere Erkenntnisse. Als es Mittag wird, hört es endlich auf zu regnen. Der Zeitpunkt ist also gekommen, wo wir unser zukünftiges Zuhause auf Zeit, ein wenig anschauen können. Wir laufen Richtung Stadt. Eine Buslinie haben wir nicht entdeckt. Ausserdem sitzen wir ja am nächsten Tag die ganze Zeit im Zug, ein wenig Bewegung kann also nicht schaden.

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Magisch zieht es uns zum Hafen. Wir gehen zwischen den Schiffen durch und schauen sie uns an. Das Schild wo uns auf Französisch sagen will, dass unbefugte dort nichts verloren haben ignorieren wir. Ich verstehe es ja nicht. Wir sehen auch ein paar Allures und andere spannenden Schiffe aus Aluminium.

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Als wir beim grossen Militärgelände ankommen, wo übrigens Atom-U-Boote gebaut werden, kehren wir um und gehen durch die Stadt zurück.

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Wieder in unserem temporären Zuhause meldet sich der Hunger wieder. Schon wieder so spät! Wir entscheiden uns heute für französische Küche und gehen ins nahe gelegene Pomme et Sarrazin, eine kleine Crêperie ruhig gelegen im Quartier. Wir essen ausgezeichnet und der Inhaber ist Koch und Servierpersonal in einem. Wir kommen ins Gespräch, mit Händen und Füssen und Nellys übriggebliebenen Französisch Kenntnissen. Er ist am Schluss so begeistert von unserem Vorhaben, dass er uns bittet ihn zu adoptieren und mitzunehmen. Wir einigen uns, dass er als Koch anheuern könnte, was er dankend ablehnt da er seine Frau und Familie doch nicht zurücklassen möchte. Was für ein lustiger Abend.

Tag 4 – Die Rückreise

Wir erwachen zeitig denn heute geht es wieder zurück nach Hause. Wieder spazieren wir gemeinsam zur Boulangerie um das Frühstück einzukaufen und Wegzehrung für die Reise. Etwas süsses ist selbstverständlich wieder dabei. Es ist ja schliesslich Ostersonntag, da darf man sich doch was gönnen. Nach dem Frühstück geht es ans Aufräumen und Packen. Schliesslich wollen wir unsere Unterkunft nicht unordentlich hinterlassen. Wir haben Zeit, denn der Zug fährt erst um 13:30. Wir sind bereit und gehen den ganzen Weg zum Bahnhof mit unserm Gepäck. Nicht ohne einen kleinen Umweg über den Inneren Hafen zu machen.

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Was für eine Plackerei! Unser Zug steht schon bereit und wir können einsteigen. Die Heizung haben sie noch nicht eingeschaltet, so ist es etwas kühl.

Pünktlich starten wir Richtung Paris. Doch kurz vor Caen hält der Zug mitten auf der Strecke an. Wir verstehen die Durchsage dieses Mal nicht. Nach einer knappen halben Stunde geht es weiter. Mist, wir haben in Paris nur noch knappe 20min um mit der U-Bahn von einem Bahnhof zum anderen zu kommen, inkl. Ticket lösen. Wir sind entsprechend angespannt ob wir unseren Anschluss noch erwischen. Und was machen wir, wenn nicht? Glücklicherweise konnte der Zug die Verspätung noch etwas aufholen. So bleiben uns gut 30 Minuten fürs Umsteigen. Wir rennen wie die Verrückten durch den Bahnhof zur U-Bahn, Nelly hat das Geld für die Tickets im Zug bereits abgezählt, gut wussten wir von der Hinfahrt noch Bescheid.

Es klappt, wir kommen rechtzeitig auf dem Fahrsteig an und suchen den Wagen mit den für uns reservierten Plätzen. Als wir so dem Zug entlang rennen, laufen wir Reto in die Hände. Reto ist ein ehemaliger Arbeitskollege von mir bei der INM AG, der jetzt bei der SBB arbeitet. Er erklärt uns, dass der Zug wegen der Verspätung wartet. Er zeigt uns wo unsere Plätze sind und fragt ob wir nicht lieber 1. Klasse fahren möchten. Klar möchten wir das! Er meint es hat noch Platz und wir sollen doch mal einsteigen, er schaue mal. Und siehe da, als der TGV abfährt sitzen wir in der 1. Klasse und haben fürstlich Platz. Was für ein tolles Update. Danke dafür. Als er später unterwegs vorbeikommt und uns fragt ob wir gerne ein Glas Prosecco oder sonst etwas hätten können wir unser Glück kaum glauben. Wir reden kurz von den alten und neuen Zeiten, doch er ist ja am Arbeiten und hat nicht viel Zeit dafür.

Die Reise vergeht sehr angenehm und wir können viele unserer Eindrücke verarbeiten und unsere Gedanken austauschen und am Bericht der Reise arbeiten. Fast pünktlich in Zürich angekommen wechseln wir in die S7 und fahren dem Zürichsee entlang nach Hause. Stäfa erwartet uns dunkel und kühl, es geht ja bereits auf 23Uhr zu, zum Glück konnte ich von Unterwegs noch die Heizung wärmer stellen. Wir packen das nötigste aus und gehen müde aber sehr glücklich zu Bett und träumen von den Abenteuer die wir mit unserer neuen Allures 45.9 erleben werden.