Von «wow» bis «spinnt ihr»?

Von «wow» bis «spinnt ihr»?

Vorbereitung, Menschen, Schweiz
Wie reagiert unser Umfeld auf die Nachricht unseres Abenteuers?

Wie reagiert unser Umfeld auf die Ankündigung unseres Langfahrtsegelns?

«Was, ihr zwei? Wollt ihr das wirklich?» Fragt ein Segelfreund mit einem ernsthaften, sehr fragenden Ton, als er von unserem Weltumsegelungs-Vorhaben erfährt. Er schaut uns etwas unglaubwürdig an und das gibt mir einen kurzen Moment zu denken. Warum bezweifelt er, dass das was für uns ist, warum sollten wir das nicht umsetzen können?
Diese und andere interessante Reaktionen haben mich veranlasst hier das spannendste zusammen zu tragen.

Heute, über 2 Jahre nach unserem Entscheid für unser Weltumsegelungs-Projekt, sind die meisten unserer Familienmitglieder und Freunden über unsere Absichten informiert. Wir haben von Beginn weg unser Vorhaben klar kommuniziert, da wir keine Bedenken über deren Reaktionen oder gar negative Auswirkungen erwartet haben. Sogar unsere Arbeitgeber wissen Bescheid!

Da wir sowohl in der Familie wie in unserem Freundeskreis einige Segler haben, kommen vorwiegend sehr positive Reaktionen, geschockt sind nur wenige. Sicher, einige sind dabei, die dreimal leer schlucken, um das zu verdauen. Das ist sehr verständlich - würde uns genauso ergehen, wenn jemand aus der Familie oder von den engeren Freunden längere Zeit ins Ausland ginge!

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Ein Auszug über die spontanen Äusserungen wie...

  • ...toll, cool, wow, so lässig, spannend, wahnsinn...

oder...

  • ich komme euch dann besuchen
  • das freut mich für euch
  • das passt zu euch

... überwiegen.

Es gibt aber auch viele Fragen

  • seid ihr wirklich sicher?
  • wollt ihr das wirklich?
  • was, ihr zwei?
  • habt ihr nicht Angst?
  • und was ist mit dem Job und der Wohnung?
  • gebt ihr hier alles auf?

Sind wir mutig?

Bei den Nicht-Seglern kommen da schon deutlich mehr Bedenken. Da reicht die Palette nebst dem Positiven von Unverständnis, Kopfschütteln, Staunen bis...

  • «das ist doch zu gefährlich!»
  • «wow, mutig, ich hätte den Mut nicht»

Wir haben unser Vorhaben bisher nicht von dieser Seite betrachtet. Ist das mutig? Ja, vielleicht schon etwas, aber für uns fühlt es sich nicht so an, sondern einfach ganz normal. Aufregend und spannend, natürlich! Aber auch verbunden mit Respekt und mulmigen Gefühlen vor dem Unbekannten.
Aber es fühlt sich vor allem einfach nur gut an, für uns irgendwie normal, einfach logisch...

Gemeinsam ein Ziel erreichen

Interessant ist, dass sehr viele Personen äussern, dass sie es gut finden, dass wir ein Ziel haben. Es gibt auch welche die sagen, dass sie uns dafür beneiden. Für uns ist es sehr wertvoll, dass wir ein gemeinsames Ziel anstreben. Haben wir doch dadurch immer ein Gesprächsthema ;-) Denn es ist ein grösseres Projekt, welches einiges an Vorbereitung bedarf.

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Die erste grosse Etappe ist der Zeitpunkt vom Abschied von der Heimat und von Leinen los.
Aus unserem engeren Kreis spüren wir von allen - trotz den Bedenken einzelner - dass sie uns in unserem Vorhaben voll unterstützen, das ist sehr schön, danke!

Viele Fragen, einige Antworten aber auch denkwürdiges

Oftmals kommt auch keine direkte Reaktion, sondern wir sehen förmlich, wie sofort viele Fragen entstehen und gleich einige heraus purzeln:

  • Wann geht ihr?
    Das wissen wir noch nicht genau, in 2-4 Jahren
  • Wie lange geht ihr?
    5-6 Jahre, resp., bis wir keine Lust mehr haben oder das Geld ausgeht
  • Und wenn es stürmt?
    hmmm
  • Nur ihr Zwei?
    Ja, wir freuen uns aber über Besuch
  • Aber die Piraten und Überfälle?
    hmmm
  • Wie macht ihr das mit der Seekrankheit?
    Wissen wir noch nicht
  • Wie geht das mit dem Trinkwasser?
    Wir werden eine Entsalzungsanlage haben um selber Wasser zu machen
  • Und wenn ein Blitz einschlägt?
    Dann ist das nicht lustig...
  • Und die Haie?
    Bisher fürchten wir uns nicht davor
  • Habt ihr denn ein Schiff?
    Leider noch nicht
  • Wo geht ihr hin?
    Auf die Barfussroute
  • Von wo startet ihr?
    Von Europa aus oder da wo wir das Schiff kaufen werden

Auf einige Fragen haben wir keine Antworten bereit. Dass es nicht nur einfach sein wird, sowohl unterwegs zu sein, mit allen möglichen Gefahren und Unbekannten, aber auch mit dem Abschied von der Heimat, insbesondere von der Familie und den guten Freunden, das ist uns bewusst. Die Reise wird mit viel Verzicht, unbequemen, anstrengenden aber auch wunderschönen und einzigartigen Momenten verbunden sein.
Allen Interessierten haben wir bisher so viele Fragen wie möglich beantwortet und sind manchmal selbst verwundert, was für Fragen gestellt werden. Jedenfalls waren es bisher immer interessante Unterhaltungen und wir freuen uns auf weitere!

Genau eine solche Unterhaltung war kürzlich spannend. Über ein Jahr nach der Information und immer mal wieder einer Aussage oder aktuellen Meldung über den Stand unseres Projektes, kommt der Satz: «ich glaube, euch ist es wirklich ernst!». Da sind ausnahmsweise mal wir zuerst sprachlos! Dann kommt von unserer Seite, «was hast du denn gemeint, wir machen nur Spass?». Das gab uns etwas zu denken.

Bringen wir unser Vorhaben so unglaubwürdig rüber? Oder wird es uns beiden tatsächlich nicht zugetraut? Hhhmmmm....

Auch ein Bekannter sagt zu Allan: «ich hätte nie geglaubt, dass du das machst, da braucht man ja richtig Eier in der Hose...» Da kann es schon mal passieren, dass uns der Kinnladen runterfällt!
Also hier nochmal schwarz auf weiss: Es ist unser voller Ernst mit der Weltbesegelung und wir arbeiten täglich hart daran einen Schritt weiter zu kommen!