Mit der Bajka durchqueren wir den Ärmelkanal

Mit der Bajka durchqueren wir den Ärmelkanal

Vorbereitung, Ausbildung, Segeln, Grossbritannien und Nordirland, Kanalinseln (Jersey, Guernsey)
Wir dürfen das spannende Revier Ärmelkanal zum ersten Mal seglerisch selbst erleben.

Ist der allseits gefürchtete Ärmelkanal auch für uns eine grosse Herausforderung?

Von Burnham-on-croach nach Jersey, durch den Ärmelkanal ist die Ansage. Es erwartet uns ein Revier mit viel Tidenhub, Strömungen, grossen Schifffahrtswegen und einer längeren Strecke in wenigen Tagen. Das sind für uns alles neue Elemente, entsprechend sind wir sehr gespannt, wie das sein wird, gefällt uns das überhaupt?

Warum diese Strecke?

Die Bajka, die OVNI 435 von Erni's, unseren Nachbarn, welche sie in England gekauft haben, steht in der Marina von Burnham-on-croach und soll nach Jersey gesegelt werden, dem ersten Abschnitt ihrer bevorstehenden grossen Reise. Und wir dürfen mit! Wir sind natürlich im Vorfeld schon happy, dass wir die Ehre haben, mit ihnen diese Strecke zu segeln.

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Aus gelesenen Büchern, Informationen von Segelfreunden, welche im englischen Kanal schon segelten, haben wir einiges gehört über sehr ruppige See, den Wind immer von West (wir wollen Richtung Westen), vielen Schiffen, aufpassen auf Frachter und vor allem auf Fischerboote...

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Die Bajka selbst ist noch eine kleine Wundertüte, was alles funktioniert oder eben nicht, denn sie ist von Erni's noch kaum gesegelt worden.
All dies hält die Spannung sehr hoch und wir reisen am 9. Juli von Stäfa nach Burnham-on-croach, mit Bahn-Flugzeug-U-Bahn-Bahn.

River Croach - Nordsee - Ärmelkanal - Solent - Isle of Weight

Wir begrüssen die Bajka und deren stolzen Besitzer Ela und Lukas sowie die Mitsegler Wladimir und Martin. Nach einem Schiffsrundgang, den ersten Eindrücken von der OVNI 435 und dem "einpuffen", machen wir uns auf den Weg in den hübschen Ort für das Nachtessen.
Anderntags wollen wir früh los, aber da fehlt doch noch etwas... Wo ist denn die Sektflasche, wo Ela? Ja, die OVNI wird noch im Schnellverfahren auf ihren neuen Namen getauft und so kann es anschliessend in Ruhe losgehen.

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Wir lösen die Leinen der Bajka, die nun zu ihrer grossen Reise um den Globus mit den neuen Besitzern startet. Lukas steuert sein zukünftiges schwimmendes Zuhause souverän aus dem Hafen und wir können mit gesetzten Segel und Strömung von hinten mit flotter Fahrt aus dem River Croach segeln. Wir suchen uns den Weg durch die Untiefen, den Windradparks und vielen Wracks hinaus auf die offene Nordsee. Der Wind und die Wellen nehmen stetig zu, so auch das Unwohlsein einiger Crewmitglieder. Die Bajka segelt wunderbar, liegt stabil in den Wellen und macht einen guten Eindruck, es ist eine Freude damit zu segeln.

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Nach über 60 Meilen und grosser Strecke auf der Kreuz, machen wir am späten Nachmittag im Hafen von Ramsgate fest, wo wir 2 Nächte verbringen, da für Montag viel Wind prognostiziert ist. Den Hafen-Tag nutzen wir für einen Spaziergang durch den Ort, Einkaufen und Lukas und Ela montieren das Reling Netz für ihre Kinder.

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Am Dienstag geht es in der Früh los, denn das Ziel ist Yarmouth auf Isle of Wight mit einem Nachtschlag. Die See ist durch die spitzen Wellen unruhig, mit zügigem Wind, zeigt sich aber für die Strasse von Dover und den Ärmelkanal von der harmlosen Seite. So kreuzen wir der schönen englischen Küste entlang und können eine Prise von Langfahrt schnuppern.

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Leider geht es uns beiden wegen einer Magenverstimmung nicht so gut und wir können die Fahrt nicht wirklich geniessen und beteiligen uns nicht so sehr am Segelgeschehen.

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Die Nacht ist ziemlich kühl aber wir haben guten Wind. Je nach Strömungsrichtung kommen wir schneller oder langsamer voran und um 2 Uhr gibt es die letzte Wende für 10 Stunden. Solange auf dem gleichen Bug zu segeln ist für uns beide neu und gehört wohl zum Segelalltag des Blauwasserfahrers. Am Mittwochnachmittag im Solent schläft der Wind etwas ein und wir nehmen kurz den Motor zu Hilfe, um gegen die starke Strömung anzukommen. Doch bald kippt die Strömung und es geht wieder flott weiter bis Yarmouth, wo wir im Hafen übernachten.

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Yarmouth - the Needles - Überquerung Ärmelkanal - Jersey

Anderntags stehen wir gemütlich auf, denn wir haben keine Eile, so dass wir mit der Strömung von Yarmouth Richtung The Needles auslaufen können. Eine leichte Brise schiebt uns um The Needles und vor uns liegt die Überquerung des Ärmelkanals. Nächstes Land das in Sicht kommen wird ist Frankreich...

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Wir nehmen unseren Kurs ein, geniessen den wunderbaren Nachmittag und segeln in die schöne Nacht hinein. Wir haben super Bedingungen, können wieder über 9 Stunden ohne Manöver unterwegs sein und das mit gutem Westwind zwischen 10 und 15 Knoten. Dieser schläft dann im Laufe der frühen Morgenstunden etwas ein, so dass wir den Gennaker zum ersten Mal hervor holen. Nach dem Setzen dessen kommt die Ernüchterung, dass dieser nicht wirklich effizienter ist, als die Genua.

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So schieben wir uns gemächlich an Guernsey vorbei, gönnen uns ein gemütliches Frühstück, nähern uns allmählich Jersey und segeln am Nachmittag von Westen her in den Hafen von St. Helier.

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Der Hafen ist enorm voll und wir können in einem 5er-Päckli festmachen. Yes, geschafft!

Sind unsere Erwartungen erfüllt?

Wie war es nun? Abgesehen davon, dass wir gesundheitlich nicht auf der Höhe waren, war es eine schöne, tolle Überfahrt, gar nicht so garstig wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch Schiffe waren nur wenige zu sehen. Wir hatten viel mehr Schiffsverkehr erwartet und angenommen, dass es Strecken gibt, auf denen wir dauernd welchen ausweichen müssen, ist doch der Ärmelkanal eines der meist befahrensten Gewässer der Welt. Dies war gar nicht der Fall, die wenigen Frachter, denen wir begegneten, wichen uns aus, denn wir sahen sie schon lange Zeit im Voraus.

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Sind wir nun enttäuscht deswegen? Nein, gar nicht, wir sind total happy, wissen wir nun, dass auch schwierigere Reviere mit der nötigen Planung respektive wenn die Zeit da ist um gute Wetterfenster abzuwarten, relativ einfach zu segeln sind.

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Was uns auf dem ganzen Weg von England her sehr beeindruckt hat, ist der Umgang und die Selbstverständlichkeit mit dem grossen Tidenhub. Man spürt bei der Bevölkerung und sieht bei den baulichen Einrichtungen, dass das Kommen und Weichen des Wassers um viele Meter alle paar Stunden so normal ist, wie das Atmen.

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Gemütlicher Ausklang auf Jersey

Am Samstag schauen Allan und ich ausgiebig das Zentrum von St. Helier an und wandern anschliessend 3 Stunden nach St. Aubin und zurück dem Strand entlang. In dieser kurzen Zeit wo wir auf der Insel sind, hinterlässt bei uns Jersey einen sehr schönen Eindruck.

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Leider ist diese spannende Woche bereits zu Ende. Wir sind insgesamt 395 sm gesegelt und haben 17 sm unter Motor zurückgelegt. Am Sonntag fliegen wir via London Luton nach Zürich. An einem Tag 2x über den Ärmelkanal durch die Luft, wir haben Zeit zum Träumen...

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