Acklins & Crooked Islands - Bahamas

Acklins & Crooked Islands - Bahamas

2022, Liegeplätze, Bahamas
Wir leben uns in die Flachwasserwelt der Bahamas ein und besuchen Acklins, Long Cay, Fish Cay und Crooked ...

Bye bye Great Inagua

Wir haben hier in Great Inagua einen ersten Eindruck von den Bahamas erhalten. Doch wo sind die endlos weiten Sandstrände und das grosse, flache, türkis Wasser? Jedenfalls finden wir dies nicht im Westen von Great Inagua. Obwohl uns die Insel gut gefällt, wollen wir «DIESE» Bahamas finden.
Wir suchen also weiter und segeln Richtung Acklins, nord-westlich von Great Inagua. Die Strecke ist mit 84 Seemeilen etwas lang für einen Tagestörn, darum starten wir in die Nacht hinein.

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Hello Acklins

Am nächsten Morgen erreichen wir die Sugar Bay, die genau das verspricht, was wir suchen. Flaches, türkis Wasser. Doch halt, der Wind kommt zu sehr nördlich, so dass ein Ankern hier äusserst unangenehm würde. So kehren wir im Flachwasser doch wieder um. Es ist ein spezieller Moment das erste Mal so im Flachwasser unterwegs zu sein. Ist es wirklich überall tief genug? Stimmen die Karten? Hat es nicht plötzlich Korallenblöcke, die zu hoch sind? All das schwirrt uns durch die Köpfe und hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Schnell wieder raus da. Wir fahren also wieder ein Stück zurück und lassen den Anker in der Jamaica Bay fallen, auf 7m! Wassertiefe.
Hmmm, was ist los? Ist das nicht unser Revier? Haben wir keinen mumm für Flachwasser? Das Schiff dazu haben wir jedenfalls. Wir können ja einfach unser Schwert hochnehmen und Schwupps ist der Tiefgang von 2.9m auf etwa 1.1m reduziert.

Long Cay ahoi

Der Platz gefällt uns nicht wirklich gut - das könnte doch anders sein. Also segeln wir am nächsten Tag weiter Richtung Norden. Eine gemütliche Fahrt mit wenig Welle bringt uns nach Long Cay.

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Hier setzen wir uns zum ersten Mal mit Ankern im wirklichen Flachwasser auseinander. Wir umfahren kleinste Riffe suchen uns den Kanal zum Ankerplatz und Ankern auf 2.5m Wassertiefe. Das Wasser ist so schön klar, wir können den Anker perfekt erkennen, wo er liegt. Wir sind zufrieden mit dem Ankerplatz und springen ins wunderbare Wasser. Komisch, so nur etwa einen Meter Wasser unter der meerla zu haben...

Wir verbringen ein paar Tage an diesem wunderbaren Platz, gehen die Umgebung mit schnorcheln erkunden und machen Strandspaziergänge. Wir haben endloslange, einsame Sandstrände gefunden! Es ist einfach nur schön - oder zum Abheben...

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Da der Wind auf Süd drehen wird, ist unser Ankerplatz nicht mehr geschützt genug. Wir verlegen uns etwas weiter südlich, vor Albert Town. Doch auch hier müssen wir am anderen Tag fort, da der Wind auf nördliche Richtung drehen wird. Ein neuer Aspekt hier in den Bahamas. Der Wind kommt nicht mehr konstant aus östlicher Richtung wie weiter südlich in der Karibik mit dem Passat.
So gehen wir auf die Ost-Seite von Long Cay, wo wir in das grosse Flachwassergebiet, the Bight of Acklins, einfahren. Was für ein Gefühl. Werden wir uns da je daran gewöhnen?
Wir sind, was das betrifft, noch auf wackeligen Beinen und lassen den Anker bei 3m Tiefe fallen.

Kokosnuss Premiere

Der Strand lädt uns zum Spazieren ein und so tuckern wir mit meerli dahin, ziehen es auf den Sand und wackeln los. Naja, zum Glück haben wir Flip-Flops an, denn die Stacheln sind vielzählig und dringen durch die Sohlen durch. Da sind wir mal eine Weile beschäftigt, diese Dornen wieder heraus zu ziehen.

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Doch halt, hier gibt es Kokospalmen! Wir können es nicht lassen und nehmen zwei Kokosnüsse mit. Für uns das erste Mal, dass wir wild Kokosnüsse ernten. Wir sind gespannt, ob wir den richtigen Reifegrad treffen.

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Unerwarteter Besuch

Hier im südlichen Teil der Bahamas sind nicht viele Schiffe unterwegs. Und so ist jedes Schiff, das kommt oder geht interessant für uns. Heute kommt ein Monohull angesegelt. Oh, die scheinen nicht hier halten zu wollen, sondern über das Flachwasser zu segeln, wow. Darum schauen wir etwas genauer hin. Halt, das sieht doch aus wie eine Allures! Schnell, gib das Fernglas her, was ist das für eine? Oh, eine 45.9, also ein Schwesterschiff von meerla. Es ist Stravaig!!! Die kennen wir von den kanarischen Inseln. Oh, was für eine Überraschung! Wir schalten sofort unser AIS und Funkgerät ein und versuchen sie zu kontaktieren. Doch sie segeln einfach an uns vorbei.
Einige Minuten später zeigt Stravaig doch noch Reaktion und scheint umzudrehen. Wir funken kurz miteinander und freuen uns sehr, dass sie extra wegen uns umdrehen und sich neben uns vor Anker legen. Wir lassen unser Dinghi ins Wasser und gehen sie besuchen. Linda und Allan sind etwas müde von ihrer Nachtfahrt, umso mehr freut es uns, dass wir eine kurze Zeit mit ihnen verbringen können. Sie wollen in den Snug Corner weiter und so segeln sie bald wieder davon...
Ein sehr schöner Moment, wenn sich so unerwartet die Wege an einem ganz anderen Ort der Welt wieder kreuzen.

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Volltreffer Fish Cay

Wir möchten weiter nach Crooked Island etwas nördlich von hier und machen uns auf den Weg. Da der Wind auf Ost-Nord-Ost drehen wird, werden wir hier nicht mehr geschützt liegen. Als wir den Schutz der Lagune verlassen, trifft uns sehr hoher Schwell von Norden. Auch der Wind ist noch nördlich, so dass wir kreuzen müssen. Irgendwie macht das keinen Sinn, was wir hier machen. Unter diesen Bedingungen wird Landrail Point kein angenehmer Liegeplatz sein. Also muss eine andere Lösung her und die finden wir mit Fich Cay. Eine kleine, knapp 2 km lange, einsame, unbewohnte Insel zwischen Acklins und Long Cay, also wieder etwas nach Süden. Wir ankern auf 2m Wassertiefe in einem riesigen, flachen, türkisfarbenen Gebiet.

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Hier geniessen wir 4 einsame, wunderschöne Tage. Das könnte glatt zu meinem Lieblingsort werden, mal schauen.

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Eine harte Nuss

Das Einkaufen auf den Bahamas ist eine schwierige Sache. Viele der bewohnten Inseln werden nur alle paar Wochen von einem Versorgungsschiff angefahren und entsprechend sind die Regale in den kleinen Einkaufsläden mehrheitlich leer. Frische Ware ist sowieso nach wenigen Stunden nach der Ankunft des Versorgungsschiffes wieder ausverkauft. Wir haben ja sehr viel Essen in der Dominikanischen Republik gekauft und können daher sehr lange ohne Einkaufen auskommen. Doch so ab und an etwas Frisches ist eben schon schön. Und noch viel schöner ist es, wenn man sich das selber auf einer Insel pflücken kann.

So wird Allan zum Kokosnuss Knacker. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für eine harte Arbeit ist. Allan bewaffnet sich mit Schraubendreher und Hammer.

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Eine gefühlte Stunde später kommt die Kokosnuss zum Vorschein. Aber hej, das ist erst die Nuss.

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Jetzt erst mal zwei Löcher machen um den Saft in ein Glas abzuleeren und dann einen gezielten Hammerschlag auf den Kopf und offen ist sie. Schönes weisses Fleisch strahlt uns an und lässt uns hoffen, dass wir bald eine leckere Zwischenverpflegung geniessen können. Doch auch die Nuss will zuerst aus ihrer harten Schale befreit werden. Wir geniessen unsere Eroberung in vollen Zügen...

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Schliesslich Crooked Island

Das Wetter und die Windrichtung sind optimal um weiter zu ziehen. So segeln wir bei herrlichen Leichtwind-Bedingungen nach Norden zum Landrail Point auf Crooked Island.

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Was vor ein paar Tagen nicht funktioniert hat, hat uns einen wundervollen Aufenthalt auf Fish Cay beschert. Was uns also zuerst ärgerte, hat sich als Glücksfall herausgestellt.

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Doch jetzt sind wir in Crooked Island und sehen uns Landrail Point an. Was wir bisher von den Bahamas an Land gesehen haben, ist nicht nur schön. Es fällt uns schwer das Leben der Menschen hier vorzustellen, ist es doch etwas ganz anderes als wir das auf einem Kontinent gewohnt sind. Diese Inseln haben oft nicht mal 1'000 Einwohner. Zu kaufen gibt es sozusagen nichts, Infrastruktur ist wenig vorhanden, das Müllproblem gross. Entsprechend sehen wir viele verlasse Häuser, Tankstellen, Mülldeponien oder Autos, Lastwagen, Bagger die niemand mehr braucht und vieles mehr. Es ist ein trauriges Bild und wir versuchen uns die Geschichten dahinter vorzustellen, was natürlich unmöglich ist.

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Doch eines haben wir schon freudig festgestellt, die Leute hier sind sehr freundlich und viele versuchen ihre Gärten bestmöglich zu pflegen. Der Boden der Bahamas ist sehr ertragsarm, es gibt kaum Erde. Einige letzte Überbleibsel von Baumwollbüschen sind am Strassenrand zu sehen. Wenige bauten im 18. Jahrhundert Baumwolle für den Export an, doch es liess sich damit kein Wohlstand erreichen.

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Linda und Allan von der Stravaig, die wir vor wenigen Tagen zufällig getroffen haben kommen auch nach Landrail Point und sie verfügen über einen Mietwagen. Da freuen wir uns ganz besonders, dass sie uns auf eine Inselrundfahrt mitnehmen. Wir fahren ans andere Ende von Crooked Island, da wo die Fähre nach Acklins übersetzt und zum Turtle Sound.

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Am Abend gehen wir gemeinsam mit ihnen und der Crew von White Pearl ins Gibson's Restaurant essen. Ja, das tönt jetzt so, in ein Restaurant essen gehen... hm. Wie soll ich das beschreiben? Es ist eigentlich eher so, wie wenn man zu einem Familienessen geht. Wir werden herzlich begrüsst und setzen uns an den einen langen Tisch. Es kommen noch einige andere Leute dazu, am Ende sind wir 11 Gäste, wir sechs Segler und fünf Fischer aus Kanada. Eine Speisekarte sucht man hier vergeblich. Es gibt, was die Küche leckeres kocht und die Töpfe kommen einfach auf den Tisch. Die Salatschüssel und alles andere wird herum gereicht und jeder nimmt sich was er möchte. Herrlich! Am Ende sind alle satt und wir haben einen wunderbaren Abend in lieber Gesellschaft.

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Jetzt sind wir so richtig in den Bahamas angekommen, so darf es weiter gehen...